Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Das offizielle Forum zu Creative und AT. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Sonntag, 5. März 2006, 02:32

FFX-Interpretation von Jack1603 / Robert Vlcek

Hier ist wieder die

FFX-Interpretation von Jack1603 / Robert Vlcek ( robertwolfkid@freenet.de )

Nochmals vielen Dank, dass du diese Interpretation auf meine Nachfrage hin erstellt hast.




Hauptfigur in Final Fantasy X ?

Die Frage nach der eigentlichen Hauptfigur ist schwierig, immerhin beginnt FFX mit Tidus und endet mit Yuna.
Alle Figuren scharen sich um das Mädchen und jeder will sie
beschützen, zugleich aber steht Tidus scheinbar ebenso im Zentrum der Erzählung.
Tidus wird als mögliche Hauptfigur zwar angeführt und man erlebt das Abenteuer auch durch seine Sicht der Dinge, möglich ist auch folgendes: ein scheinbarer Protagonistenwechsel.

Tidus nimmt hier, mehr als in allen anderen Final Fantasy-Teilen die Rolle des Beobachters und Unwissenden ein. In Bezug auf Kultur, Religion etc. kennt er sich nicht aus, da ihm die Welt von Spira fremd ist – genauso wie dem Spieler. Was in den anderen Spielen etwas hölzern wirkt (Erklärungen zum Thema Mako, wo die Figuren um Cloud doch über dieses Wissen verfügen sollten, kommen sie ja aus dieser Welt) ist hier ein erzählerischer Zaubertrick. Da der –angebliche- Protagonist nichts weiß von Spira, wird ihm diese Welt nach und nach erklärt und ebenso uns, den Zuschauern bzw. Spielern.
Somit lässt sich besonders für FFX sagen: Tidus ist die Repräsentation des Spielers.

Zurück zu Yuna.
Anfänglich kennen wir Yuna gar nicht, sie wird weder erwähnt, noch taucht sie
auf;
Lediglich Tidus und Sir Auron, der die treibende Kraft ist, wobei Tidus
zunächst im Zentrum der Erzählung steht, werden eingeführt. Ich sage aber auch deshalb scheinbarer, da Tidus wohl nur der Stein des Anstoßes sein soll, über ihn bringt man die
Geschichte ins Rollen, die dann aber in erster Linie sich um Yuna dreht.
Auron ist hier letztlich (mit Jekkt bzw. Sin zusammen) das Bindeglied, und das was man als heroische Figur bezeichnen mag, zwischen den Welten, also letztlich zwischen dem Erzähler (Tidus) und dem Protagonisten(Yuna).

Tidus erscheint also als Hauptfigur, doch ist er eventuell nur der Einstieg für den Spieler in die Welt von Spira, woraus sich ergibt, dass Yuna, obschon man sie nicht selbst spielt die Protagonistenrolle der Geschichte in dem Moment übernimmt, da sie erscheint.

Zugleich aber ist Tidus wie schon erwähnt die Figur, die die Dinge antreibt und dies auch wieder durch Auron. Er ist das Interaktionsmittel zwischen Yuna und dem Spieler.
Um einen Vorgriff auf den zweiten Teil zu tätigen, so sagt Yuna "This is my Story" – sicherlich verwendet auch Tidus diese Phrase im ersten Teil, dennoch erscheint sie nicht wirklich schlüssig aus der simplen Erkenntnis heraus, aber diese gewinnt man erst später im Spiel, dass es sich bei Tidus lediglich um eine Traumfigur handelt.
Tidus könnte demnach mehr als der Erzähler zu betrachten sein, die Wendung "my Story" könnte sich tatsächlich sogar auf Yuna beziehen. (siehe Absatz "Traum oder Träumer")


Träume in der Traumlosigkeit.

Ich denke, dass hier eine Verknüpfung zwischen der Geschichte und der Interpretation der Bedeutung des Traumes (Zanarkand inkl. Einwohner) und der Frage nach Schlüssel- bzw. Hauptfiguren erstellt werden muß.
Schlüsselfigur ist ganz eindeutig Tidus, der dazu gebraucht wird, wohl einerseits um Sin zu besiegen oder besser Einfluß auf Sin auszuüben, da Sin Jekkt, also Tidus Vater ist und nur ein Traum einen Traum besiegen kann - hier ist eine Idee, die man -so will es Square- für sich selbst finden muß:

Auch wenn Sin real ist, so sollte man nicht vergessen, dass auch Jekkt nur ein Traum ist, ebenso von den träumenden Toten erdacht wurde und der als Sin die Welt von Spira heimsucht, ein im wahrsten Sinne des Wortes Alptraum, der immer wiederkehrt und den Menschen das Leben auf sehr reale Weise nimmt.
Die Getöteten träumen nun als sogenannte Asthra (spirituelle Energie) ihrerseits wieder und erschaffen die Welt von Tidus, Tidus selbst, seinen Vater und somit auch wieder das, was sie selbst tötete: Sin.
Praktisch die Verknüpfung mit dem Glaube "Stirbst du im Traum, dann stirbst du in der Wirklichkeit", der hier mehr zu einem "durch den Apltraum gestorben" wird.

In gewisser Weise träumen allerdings auch die Lebenden Spiras – einen Tagtraum, aus dem
sie nicht erwachen, denn sie sehen nicht oder sollen nicht sehen, wie man den Alp also die Angst (Sin) noch besiegen kann; stattdessen opfern sie in schöner Regelmäßigkeit ein Medium, damit sie ein paar Jahre Ruhe haben.
Es ist ein sich Zurückziehen in eine sicheres Schneckenhaus, einen Traum wenn man so will, denn solange sie letztlich in ihrem eigenen Traum (mit anderen Worten ihrem Irrglauben) gefangen sind, solange sind sie in gewisser Weise "sicher". Aber diese Sicherheit trügt, denn nämlich diese Tatsache, dass sie blind irgendwelchen dubiosen Vorschriften von sonst wem Glauben schenken und befolgen und ihr Leben nicht selbst in die Hand nehmen, kehrt sich gerade in Sin wieder gegen sie.

Ist zu glauben gleichzusetzen mit träumen? Oder ist vielmehr das unselbstständige Befolgen von Vorschriften für eine Religion der wahre Traum? Richtet sich diese Aussage gegen den organisierten Glauben und spricht sich damit mehr für eine freie Auslebung des Glaubens aus.
Glauben hat etwas mit dem Herzen zu tun, nicht mit Vorschriften, nicht mit Dogmen.
In dem Film Constantin mit Keanu Reeves sagt die Hauptfigur Constantin zu dem Erzengel Gabriel "Ich glaube doch, Herrgott noch mal." – "Nein, nein. Du weißt. Das ist ein Unterschied."
Und wie Constantin sich den Himmel erkaufen will, indem er die Lakaien Satans in die Unterwelt bannt, so versuchen die Gläubigen Spiras sich ebenso den Himmel zu erkaufen, indem sie eine Opfergabe darbringen. Aber sie tun es nie aus dem Herzen heraus, aus der Überzeugung heraus sondern vielmehr –und hierfür steht Wakka- aus dem Grund heraus, da es irgendwo geschrieben steht und die obersten Führer der Religionsgemeinschaft es so anordnen.

Wie die Lemminge folgen sie diesen Führern, die nur ihre eigenen Ziele verfolgen ohne sich nur eine Sekunde lang zu fragen, ob das was sie tun sinnvoll ist oder gar mit glauben zu tun hat.
Und gerade die Führer der Yevon-Religion sind besonders dubiose Gestalten, bedienen sie sich doch auch der in den Satzungen des Glaubens verbotenen Machina.
Es ist das berühmte Spiel mit dem "Wasser predigen und Champagner trinken."
Interessanterweise sind die Gegner der Yevon-Religion, die Al-Bhed (auch wenn ihre Methoden sie auch in einem wenig guten Licht erscheinen lassen) nicht ungläubig. Es ist Cid, Rikkus Vater, der das Lied der Asthra anstimmt.
Somit leben die Al-Bhed einen freien Glauben aus, weil sie sich nicht an Vorschriften klammern, sondern einfach nur glauben.

Yuna ist das Bindeglied zwischen der Ordnung und dem freien Glauben, da sie halb ein Mensch und halb eine Al-Bhed ist. Sie steht demnach dafür, dass man nicht blindlings irgendwelchen Vorschriften folgen soll, um es dann Glauben zu nennen, und andererseits dafür, dass es auch eine gewisse Form der Ordnung geben muss, da ansonsten alles in Anarchie ausartet.


Damit die Bewohner Spiras aus ihrem Alptraum bzw. Irrglauben erwachen muß der erste, der sich gegen eben dies erhob und widersetzte, es anzweifelte (sprich Auron), wenngleich er mit dem Leben dafür bezahlte, einen anderen Traum, einen schönen Traum finden, der A) den Alptraum besiegt und B) eben auch Yuna erwachen lässt und davor bewahrt ihr Leben für eine Lüge zu geben.

Tidus ist letztlich Yunas Traum(mann), ein schöner Traum - wenn auch erdacht von den Asthra, aber da in FF meist eine pantheistische Philosophie zu finden ist, hängen die Lebenden wie die "Toten" zusammen.
Dieser Traum, aus dessen Sicht FFX erzählt wird, soll Yuna aus/ von dem Alptraum befreien und ihr die Augen öffnen.

Es ist letztlich eine philosophische Umsetzung der Beziehung zwischen Vater und Sohn, während der eine die Angst und die Angst vor der Obrigkeit verkörpert und der andere den Kampf gegen diese, er ist der Rebell, der die dogmatischen Vorschriften fürchtet und zugleich gegen sie kämpft:
Tidus Widerspenstigkeit und sein Ungehorsam wie sein Hass auf Jekkt sind nur beziehungstechnische Umsetzungen des eigentlichen Themas - der Träumer (Yuna) hasst den Alptraum (Sin/Jekkt) durch den schönen Traum (Tidus) in sich.
Und hier spiegelt sich auch die Zwiespältigkeit im blinden Gehorsam zu der Yevon-Religion und dem Glauben an sich wieder.

Es lässt sich also sagen, dass sich, wie Yuna am Ende sagt, die Menschen Spiras aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien.
Behilflich war Yuna dabei ihr schöner Traum, der den Alptraum besiegte. Dann, als dieser nicht mehr benötigt wird verschwindet er... und bleibt als eine Erinnerung der Hoffnung
gegen die Angst in Yunas Gedächtnis verankert.


Traum oder Träumer? Freiheit des Geistes?

Platons Höhlengleichnis, von denen, die nicht sehen und erst durch einen Auserwählten zu Sehenden werden oder auch um einen aktuellen Bezug zu finden Morpheus Worte an Neo "Du hast bisher in einer Traumwelt gelebt", sind passende Sinnbilder auch hier in Final Fantasy X.
Wo lebt man eigentlich? In der Realität oder in einem Traum. Ist man der Träumer oder der Traum?

Letztlich ist auch Tidus Erkenntnis, dass er ein Traum ist, mit einer der ältesten Fragen der Menschheit selbst gleichzusetzen: Der der eigenen Existenz. Ist man Traum oder Träumer....
Eine Fragestellung, die auch schon anderweitig Verwendung fand und den dortigen
Protagonisten vor einem reflektierenden Fenster stehen ließ, dass sein anderes
Ich widerspiegelte, ein Ich, dass ihn erdenkt und erträumt, zugleich
aber die
Frage aufwirft, welcher von beiden denn nun "echt" sei.
In Deep Space Nine Episode "Far beyond the stars" träumt der Protagonist, der Kommandant der Raumstattion DS9 , Benjamin Sisko, er sei ein Science-Fiction-Autor im New York der 50er Jahre des 20ten Jahrhunderts. Er erfindet dort eine Geschichte um einen schwarzen Kommandanten einer Weltraumstation. Und seine Fantasie überschneidet sich scheinbar immer mehr mit der Realität in der er lebt bis man ihn letztlich, da er gegen den Rassismus und den Unglauben der anderen ankämpft, denn für ihn sind diese Figuren wirklich, in die Irrenanstalt bringt.
Am Ende wechselt man wieder zurück zu Ben Sisko, wieder erwacht, am Ende der Episode vor einer Scheibe seines Quartiers – sie reflektiert aber nicht ihn selbst, sondern sein anderes Ich, Benny Russel. Somit ist die Scheibe Reflektion des eigenen Ichs und zugleich, da ein Fenster, die Pforte hinüber in eine andere Welt.
Und die Frage bleibt: Habe ich das alles nur geträumt? Oder bin ich nicht selbst der Traum?


Letzten Endes ist Tidus ebenso echt, aber auch nur ein Traum, wodurch auch eine Frage nach Gott Einzug hält: ist man nicht mehr als das Produkt eines anderen Geistes?. Träumt Gott von uns? Ist die sogenannte Realität nicht mehr als eine höchst komplexe Bühne, ein Theaterstück?

Vielen mag eine solche Vorstellung unbehaglich sein, weil sie ihre eigene Entscheidungsfreiheit betrifft, denn man möchte sein Leben gern in seinen Händen wissen, genau wie Tidus.
Aber dieser Vorstellung muß sich Tidus stellen, was ein handlungsbedingte Tatsache ist, und somit also auch, ob er es selbst in der Hand hat oder nicht, gerade er, der er genau die Abhängigkeit, die dem Traum zugrunde liegt, so vehement angreift – im Sinne seiner
Überzeugungsarbeit, dass es einen anderen Weg gibt, der nicht vorherbestimmt ist und nicht automatisch ein Opfer verlangt... oder fast keines? Ich stelle dies mal als Frage hin, denn die letzte Szene in der wir Tidus sehen ist die Wiedervereinigung mit seinem Vater, obschon er seine Existenz aufs Spiel setzt bzw. opfert, damit Yuna leben kann. Zugleich aber ist aber gerade die angesprochene Szene (in der Tidus & Jekkt die Hände abklatschen) mit einem
großen Fragezeichen verbunden; denn wozu eben diese Szene, wenn man nicht eventuell aus dieser lesen könnte, dass Tidus nicht verschwunden ist oder in irgendeiner Form noch immer existiert.

Er ist so flüchtig wie ein Traum es nun mal ist, aber man kann sich an einen Tag-Traum erinnern, worauf Yuna in ihrer Rede anspielt und somit der Traum nie wirklich endet. Und damit die Hoffnung, die durch diesen verkörpert wird.
Es ist ein Kampf um die Freiheit, nicht um eine Person, nicht um die Welt sondern um die Freiheit des Geistes.
Auch Sins Angriff auf Zanarkand gibt interpretatorisch viel her - der Alp, der
den Traum der Asthra angreift....
Am Ende muss man aber erkennen, dass man trotz all der Freiheit, die man sich wünscht, nicht wirklich frei ist. Denn Tidus Drängen auf freie Entscheidung endet in der Erkenntnis, dass er seine Freiheit letztlich aufgeben muss, seine Existenz ist daran gekoppelt, dass die Asthra träumen. Wenn sie aufhören verschwindet er.

Denn man ist im Leben immer abhängig von den anderen, egal in welcher Beziehung dies sein mag, ob wir in ein Geschäft gehen: wir sind abhängig davon, dass jemand die Waren vorher eingeräumt hat.
Ob wir das Licht anmachen: Wir sind abhängig davon, dass das E-Werk auch Strom liefert.
Ob wir uns bei den kleinen oder auch großen Entscheidungen im sozialen Gefüge der Mitmenschlichkeit nach dem Umstand richten, dass wir es mit einem Menschen zu tun haben, den wir lieben, hassen oder der uns gleichgültig ist: alles ist von einander abhängig.
Der Mensch ist irgendwo sein eigener Gott und selbst, wenn er erträumt würde, so wie wir auch eigene Welten in unserem Geist erschaffen, so stehen die Dinge immer in einer bestimmten Abhängigkeit zu einander und die Freiheit ist nur ein Traum.
Eine Illusion, eine Laune der Wahrnehmung? Oder letztlich dazu da, und somit nicht unnützlich, um über uns selbst zu reflektieren. Am Ende steht immer die Frage, auf die es keine Antwort gibt: Warum?

Die Freiheit ist etwas wonach der Mensch immer strebt, doch wird er sie nie erlangen, sie ist letztlich ein Symbol für die ewige Suche nach Gott und der Frage nach der eigenen Existenz, nicht mehr und nicht weniger.


Die Spiegelwelt:

Wenn man sich darauf einigt, dass Yuna anscheinend die Protagonistin von FFX ist, bedenke man dementsprechend folgendes:
Betrachtet man die großen Angelegenheiten, den Niedergang Zanarkands, die Selbstgeißlung der Bewohner Spiras, den Hass Yevons etc pepe als Reflektionen, um das Innere von Yuna zu verstehen, so wird einem vieles klarer.
Wir erfahren so gesehen nicht so sonderlich viel über sie, will heißen wir lernen nur kennen was sich äußerlich tut.
Dass ihr Vater einst ein Opfer erbrachte und sie ihm nacheifert, allerdings wird nicht wirklich klar warum dem so ist und wie sie wirklich zu dieser Tat steht, man erfährt nichts über ihre Mutter, lediglich, dass sie verwandt ist mit Rikku. Wir erfahren nur bruchstückhaft und zögerlich etwas mehr über sie selbst. Warum? Weil die Dinge nicht aus ihrer Sicht erzählt werden.

Sehen wir uns Tidus an, den vordergründigen Rebellen – wenn Tidus ehrlich ist, so hat er vor seinem Vater immer gekuscht, er wäre gerne ein Rebell, aber es fehlte ihm der Mut dazu.
Zugleich ging er seinen Weg und doch beschritt er letztlich den gleichen wie einst sein Vater (es wird nicht erklärt wie und warum Jekkt nach Spira kam). Letztlich unterliegt er seinem Vater.

Blicken wir wieder zurück zu Yuna. Auch sie umgibt, allerdings nach außen hin, eine Unterlegenheit, ja Unterwürfigkeit, doch im Gegensatz zu Tidus ist der Rebelleninstinkt einerseits vorhanden, andererseits schlummert er unter der Oberfläche.

Wenn man es so sieht sind hier die Tendenzen vertauscht – Tidus gibt den Rebellen, ist aber eigentlich unterwürfig, während Yuna sich unterwürfig zeigt, aber in sich bereits zu rebellieren beginnt – beide erkennen die jeweils gegensätzliche Ader in sich gar nicht, sondern sehen in sich selbst nur das, als was sie nach außen hin für die anderen erscheinen wollen.

Denn man könnte durchaus behaupten, dass Tidus seinen Vater bewundert – er versucht genauso zu sein wie er, ein Blitzballspieler, sogar besser zu werden. Nach außen hin tut er, als hasse er ihn. Innerlich liebt er ihn.
Yuna verehrt ihren Vater, aber einher damit könnte, psychologisch betrachtet, auch eine Bitternis einhergehen – ihre Mutter war nicht mehr da und ihr Vater, blind für seine Pflichten als Vater, sich um seine Tochter zu kümmern, geht auf Pilgerreise, nur um zu sterben.

Doch wollen wir beiden Vätern keinen Vorwurf machen: beide sind davon überzeugt nur das Beste für ihre Kinder zu tun. Jedoch erliegen sie einerseits einem Irrtum, andererseits haben sie voll und ganz Recht.
Jekkt hätte sich mehr als fürsorglicher Vater erweisen müssen, bildet aber den Rebellencharakter seines Sohnes stark aus,
Braska, hat dasselbe getan, indem er von zu Hause fortging, will seiner Tochter allerdings eine ruhige Kindheit schenken und sie in Sicherheit wissen, indem er Sin besiegt.

Beides verhält sich diametral zu einander.

Da ich aber nie direkt die Vordergründigkeit im Auge habe (den großen Kampf in Zanarkand, die Sin, Spira) sondern mich mehr für kleinen Dinge in den Personen interessiere, betrachte ich gerade die großen Konflikte mehr als Spannungen innerhalb der Charaktere. Und natürlich ist das auch umgekehrt der Fall.
Doch ich schließe lieber vom Großen auf das Kleine.
Auch in meiner Interpretation steht zuletzt nicht die Frage nach der Erlösung der Menschheit, sonder die Erlösung des einzelnen.

Vermutlich ist es sogar so gemeint – um etwas über den Protagonisten zu erfahren, muss man die großen Zusammenhänge ins Kleinere übertragen.
Ich behaupte es ist notwendig, damit man die Protagonistin verstehen lernt, von den Konflikten wie dem Krieg in Zanarkand, den Asthra, Sin zurückzuschließen auf die kleinen Dinge in der Psyche der Figuren.
Besonders im Mittelpunkt steht wohl der Vater-Kind-Konflikt. Also das ewige rebellieren der Kinder, die nie so sein wollen wie ihre Eltern, es aber letztlich doch werden, entweder durch das was sie versuchen zu unterlassen oder durch das was sie aus Trotz tun.
Und doch liegt unsere Zukunft in uns selbst, wir müssen sie, trotz dieser genetisch bedingten Abhängigkeit, selbst bestimmen.

So taucht sogar das Thema Unsterblichkeit auf, die Unsterblichkeit unserer Väter und Mütter, die in ihren Kinder liegt. Dadurch dass wir ein gutes Stück weit werden wie sie und doch anders sind und sein wollen, ja sein müssen, werden sie durch uns und unsere Nachfahren unsterblich.

Die religiösen Anführer Yevons wollen die Unsterblichkeit, indem sie bewahren was sie sind, durch die ewige Existenz.
Dabei übersehen sie, dass es bereits eine Form von Unsterblichkeit gibt: sie liegt darin Kinder zu haben und ihnen eine lebenswürdige Welt zu hinterlassen.
Vom Großen auf das Kleine geschlossen bedeutet das:
Die Tidus-Jekkt-Kontroverse ist eine Braska-Yuna-Auseinandersetzung.
Aus der Sicht des Psychologen gesprochen würde ich sagen, dienen Tidus und Jekkt dazu, Yuna zu durchleuchten und ihren Charakter zu erklären.

Ergo verhält es sich mit den Träumen der Asthra ähnlich: natürlich und das sage ich ja immer wieder, erträumen die Asthra Zanarkand und somit auch Tidus, doch würde ich diesen Aspekt der Geschichte mehr als eine Art Sinnbild für Yuna betrachten, nicht wortwörtlich, sondern sinnbildlich, denn damit spielt FF immer.
Ansonsten wäre jedwede Interpretation gar nicht erst möglich, wenn
alles nur wörtlich gemeint wäre.
Was in der Geschichte gesagt wird, ist nicht mehr und nicht weniger als das was in den Figuren vorgeht.
Yuna tritt in die Fußstapfen ihres Vaters (wie Tidus), Yuna zeichnet vordergründig eine Unterwürfigkeit aus, (Tidus spielt den Rebellen), Yuna sendet die Verstorbenen ins Abyssum weil sie sonst zu Dämonen werden (Yuna vertreibt somit auch innere Dämonen), Yuna erkennt, dass sie sich gegen Yevon auflehnen muss um Freiheit zu erlangen (Tidus begreift, dass er nicht frei ist), die Asthra träumen einen schönen Traum vom alten Zanarkand (die Bewohner Spiras träumen einen Alptraum von Sin) – es sind die anscheinenden Widersprüche, die diesen Kampf im Innern darstellen sollen:

Damit wird Tidus im übertragenen Sinne Yunas Traum(mann), der ihr Gegenstück, ihre Psyche spiegelt, genauso wie Zanarkand Spira wiederspiegelt..

Die Welt der Träumer (in diesem Falle die Bewohner Spiras) ist verbunden mit der Welt des Traumes und wird von ihr gespiegelt, als ihr Gegenstück. Wohingegen die Welt der Lebenden ein Spiegel für die Welt der träumenden Asthra ist.
Und schon bin ich wieder bei meinem Star Trek Beispiel.
Beide gehören zusammen:
Tidus ist Yuna und Yuna ist Tidus.
Der Traum der Träumer und der Träumer der Traum.
Es heißt: Gott habe den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. Übersetzung: der Mensch ist Gott und Gott ist der Mensch.

So erklärt sich letztlich sogar das Lied der Asthra und wieso die Gebetsgesten (man erinnere sich an die Blitzballgesten) und Lieder den Bewohnern Spiras bekannt sind. Eigentlich wird nicht einmal ein Hehl daraus gemacht, dass das Zanarkand der Asthra ein Spiegel Spiras ist.

Natürlich ist dies aber auch dazu da, eine große Geschichte um eine unmögliche Liebe, den Kampf zwischen Glauben und Unglauben, einer Monstrosität, welche die Welt heimsucht und was alles dazu gehört zu erzählen.

In FFX ist es wohl so gedacht, wie in allen FF-Teilen, die großen Geschichten nur zu haben, um die kleinen zu erzählen und umgekehrt.

Betrachten wir doch die Figuren die es gab: egal ob Cloud, Squall oder Zidane, sie stehen immer in der Mitte eines großen Konflikts, doch letzten Endes geht es nur um die Person selbst und um die Frage wie sie damit umgeht.
Die Kriege, Gefahren, Weltherrschaftsansprüche und Rebellionen im Hintergrund sind meiner Ansicht nach nur Spiegelbilder des Innern der Figuren.

Man hat Recht, wenn man sagst, dass man die Geschichte im Hintergrund bedenken sollte, auch in FFX, denn ansonsten gäbe es keine Geschichte, aber ich muss auch widersprechen, denn ohne den Kampf im Innern der Figuren würden nur seelenlose und unmotivierte Charaktere durch die Gegend taumeln – es ist unabdingbar, dass dabei aber das Ziel der großen Mission mit dem Schicksal der Einzelfigur verwoben ist, doch wenn man ehrlich ist das Salz in der Suppe einer großen Geschichte immer das Innere der Figuren.


Schlussfolgerung:

Und Auron? Der, wie ihn viele betitulieren, "Held", der Geschichte, der seine Erkenntnisse durch einen Traum wirken lässt und am Ende schwindet – ähnlich wie FF der Film, in dem Gray als "Hero" stirbt und verschwindet und die Protagonistin Aki zurücklässt.
Tidus ist lediglich die Schlüsselfigur und der Erzähler, erscheint aber an mancher Stelle fast protagnistische Züge zu haben. Meiner Ansicht nach ist es aber lediglich ein stilistisches Mittel, das genial umgesetzt wurde, um es dem Spieler nicht so einfach zu machen herauszufinden, wer denn nun im eigentlichen Zentrum der Sache steht.

Zwar erscheint Yuna am Ende "nutzlos", da sie die Final Summoning nicht durchführt, aber es ging ja gerade darum eben SIE zu retten und aus ihrem Denken zu befreien.
Tidus hinerlässt also nicht Yuna etwas, sondern soll nur dafür sorgen, dass die eigentliche Hauptfigur weiterleben kann und nicht mehr eine Lüge lebt, womit sie ihre geistige Freiheit erlangt, zumindest in den für Menschen erstellten Grenzen.

Was nun die anderen Figuren betrifft, sind sie Ausschlag gebend für das Verhalten der zwei zentralen Charaktere und unterstützen deren Handlungs- und Denkweise, daher sind sie obligatorisch, ebenso Auron, der allerdings eine Sonderposition einnimmt, da er das Bindeglied zwischen Traum und "Träumer" darstellt.

Alles in allem sehr interpretationsfähig und zugleich auch offen, was wie wir
wissen auch Absicht ist und dem Spieler die Möglichkeit geben soll seinen
eigenen Weg und seine eigenen Antworten zu finden.

Vielleicht heißt es auch folgendes (zumindest für mich gilt das):
Erlange die Freiheit zu erkennen, dass es keine Freiheit gibt und alles im Leben miteinander verknüpft ist, auf jede Aktion folgt eine Reaktion, jede Handlung hat einen Grund und eine Konsequenz. Kein Gut und Böse, kein Schwarz oder Weiß, ein Traum ist ein Träumer und der Träumer der Traum: wenn du dies erkennst hast du echte Freiheit erlangt.


asato ma sad gamaya
tamaso ma jyotir gamaya
mrtyor mamrtam gamaya

Von der Täuschung führe mich zur Wahrheit
Von der Dunkelheit führe mich zum Licht
Von der Sterblichkeit führe mich zur Unsterblichkeit.








------------------------------------------------------------
Im alten Forum hatte Jack1603 noch hinzugefügt, dass das Wasser das spiegelnde und verbindende Element in der Story ist. Wie ein Nebencharakter, den man nicht bemerkt.

------------------------------------------------------------
Außerdem hier noch ein paar Hintergrundinformationen zu FFX, die ich in jenem anderen Forum von Jack fand:

Zitat

Etwa 1000 Jahre vor unserer Zeit:
Zwischen Bevelle und Zanarkand, den beiden führenden Städten der Welt Spira, war ein großer Krieg ausgebrochen. Bevelles Maschina ("Maschinen") sicherten ihm von Anfang an den Sieg - niemals zuvor hatte Spira eine solche Macht gesehen. Die Media von Zanarkand hatten nicht die geringste Chance.
Yevon, Führer von Zanarkand, und seine Untertanen wollten verhindern, dass ihre Heimatstadt jemals in Vergessenheit geraten würde. Am Abend der Zerstörung Zanarkands durch Yevon (wahrscheinlich zog er vor es selbst zu tun, als dass es durch Bevelle vernichtet wird) flüchteten Yevons Tochter Yunalesca und ihr Ehemann Zejon aus der Stadt. Die anderen Überlebenden jedoch verwandelten sich in Asthra und "hüllten" sich in Stein, und beschwörten gemeinsam durch ihre Erinnerungen ein neues altes Zanarkand, mit allen Menschen, die hier gelebt hatten. So erschufen sie den Traum eines "Zanarkand, das niemals schläft". Während sie träumten, sangen die Asthra ein Lied - es sollte ihre Missachtung gegenüber Bevelle ausdrücken.
Yevon hingegen wurde zu Ju - Yevon, einem höheren Wesen unglaublicher Macht.
["Ju" - Yevon bedeutet der "Fluch" Yevon.
"Yu" - Yevon hingegen (wie er in der amerikanischen Version genannt wird) bedeutet
"Jade" - Yevon. In China war Jade bis ungefähr 2500 v. Chr. ein "königlicher Stein". Er steht für Tugend, Liebe und Unsterblichkeit. Alle Begriffe der obersten und reinsten Sphäre des Himmels tragen das Beiwort "Yu", so z.B. "Yu di" (der Jade - Gott) oder der "Yu qing Huang da tian di" (Jadereinheit-Erhabener-Groß-Himmels-Kaiser).
Beide Übersetzungen ergeben einen Sinn, ich kann leider nicht sagen, welches der beiden richtig ist.]
Als Soldaten von Bevelle den Berg Gagazet (unmittelbar dahinter lag Zanarkand) hochrückten, vernahmen sie in der Ferne das Lied, das die Asthra sangen. Sie flüchteten, weil sie meinten, es wäre nicht von dieser Welt. Etwas später bestiegen Spähtruppen von Bevelle den Berg Gagazet. Sie fanden ein völlig zerstörtes Zanarkand vor, es gab keine Überlebenden - nur zahlreiche Asthra, die immer wieder dasselbe Lied sangen. Inzwischen hatte Ju - Yevon sich eine Hülle in Form eines Ungeheuers aus einer Asthra erschaffen. Mit ihm wollte er die Bewohner Spiras bis in alle Ewigkeit bestrafen, indem er sie immer wieder mit Erdbeben und Flutwellen heimsuchte.
Als Yunalesca zurückkehrte, verwandelte sie ihren Gatten in eine Asthra und besiegte mit ihm, der "Hohen Beschwörung", das Ungeheuer, das von ihrem Vater erschaffen wurde, indem es die "besessene" Asthra befreite (tötete). Doch Ju - Yevon selbst konnte nicht zerstört werden. Er übernahm die Kontrolle über eine neue Asthra, die "Hohe Beschwörung", und schon nach kurzer Zeit (später die "Stille Zeit" genannt) erschuf er aus ihr seine Hülle von Neuem. So sollte es auch in Zukunft geschehen. Er wollte die Bewohner Spiras nicht ruhen lassen. Yunalesca musste - wie alle anderen Media nach ihr - sterben, nachdem sie die "Hohe
Beschwörung" gerufen hatte, doch sie blieb als Leiblose in den Ruinen Zanarkands zurück.
Alle Media müssen irgendwann zu ihr pilgern, denn nur sie kann ihnen die "Hohe Beschwörung" überreichen.
Um den Zorn Ju - Yevons zu besänftigen (man konnte Sin schließlich nie endgültig besiegen), begannen die Bewohner Bevelles ihn zu ehren. Sie errichteten Yevon - Tempel und verbreiteten Yevon - Leitsätze. Der Klerus (dem Orden stehen Erzprimas und Primas vor) verbat das "Lied der Asthra" zur Missachtung Bevelles, das mittlerweile auf ganz Spira bekannt war, zu singen.
[Der genaue Grund für Yunalescas Handeln blieb ungeklärt. Gerüchte besagten sie habe alles von Anfang an geplant - der Kampf gegen Sin und ihr Tod im Tausch für die Verehrung ihres Vaters.]
Die Hülle um Ju - Yevon wurde "Sin" - die "Sünde" - getauft, weil sie die Strafe für die Sünden der Bewohner Spiras war.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »VisionCatcher« (28. Mai 2007, 13:19)


Bookmark and Share
AT-Button 3