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Kirakane

Padawan

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Mittwoch, 26. Mai 2010, 11:29

Kurzgeschichten à la Kirakane

Hier mal ein paar Kurzgeschichten von mir....

Ich hoffe, sie gefallen. ^^

Kritik, Kommentare und natürlich auch himmeljauchzende Verehrungen ( XD ) sind willkommen und erwünscht. ^^

Und jetzt, viel Spaß beim Lesen!!!


Spoiler Spoiler

Wasser

Der letzte Glockenschlag der Kirche verklingt. Es ist Mitternacht. Claudia steht auf der Brücke. Sie sieht hinunter. Das Wasser fließt vorbei. Es beginnt zu regnen. Die Tropfen fallen schwer vom schwarzen Himmel. Sie fließen in Strömen Claudias Gesicht hinunter, vermischen sich mit ihren Tränen. ‚Meine Schminke ist nicht wasserfest.’, denkt sie sich. Das Wasser unter ihr fließt weiter. ‚Aber was
kümmert mich noch mein Make-up? Es ist sowieso alles vorbei.’ Der Regen wird stärker. ‚Man kann kaum noch etwas sehen.’, denkt Claudia. Der Regen wird immer noch stärker. Jetzt blitzt es. „Da kommt ein Unwetter.“, sagt Claudia zu sich selbst. Niemand hört sie. Sie steht auf einer Brücke. Im Regen. Allein. „Wie lange stehe ich schon hier?“, fragt sie sich. „Es kommt mir wie Jahre vor.“ Das Wasser im Fluss rauscht laut. Sie steigt auf das Geländer der Brücke. ‚Ich werde ganz nass.’, denkt sie sich. ‚Eigentlich ist es aber egal. Ich kann mich ja nicht mehr erkälten.’ Sie sieht sich mit leerem Blick um. „Da ist der Kiosk, wo ich mir immer meine Zeitung hole.“, bemerkt sie. „Und dort ist die Boutique, wo ich mir letzte Woche das Kleid gekauft habe.“ Es hängt noch im Schrank. „Und da vorne ist die Kirche. Mit der Glocke, die so wunderbar klingt.“ Die Glocke, die jetzt schlägt. Die Glocke schlägt viermal. Es blitzt nochmals. Es donnert. ‚Es kommt näher.’, denkt sich Claudia. „Sehr schnell.“, sagt sie leise. Der Regen wird immer stärker. Das Rauschen des Flusses nimmt zu. Ein Schatten taucht auf. Ein dunkler Schatten in den Regen-schlieren. „Wer das wohl sein könnte?“, fragt sich Claudia. ‚Ist doch egal.’, denkt sie jetzt. Der Schatten kommt näher. Das Gewitter auch. Der Schatten bleibt stehen. „Hallo.“, sagt er zu Claudia. Keine Antwort. „Was machst du da?“, will der Schatten wissen. Keine Antwort. „Dreh dich um, wenn ich mit dir rede!“, verlautet der Schatten mit verärgertem Unterton. Claudia dreht sich um. „Also, was machst du da?“, fragt der Schatten nochmals. Der Schatten ist ein Mann. Er trägt einen Schirm. Einen großen schwarzen Schirm. „Ich sterbe.“, antwortete Claudia tonlos. Der Mann scheint verblüfft. „Warum?“, will er wissen. Keine Antwort. „Das solltest du nicht tun.“, rät der Mann. Er sieht jung aus. ‚Vielleicht ist er Student.’, denkt Claudia. „Ich bin auch Studentin.“, sagt sie zu ihm. Der Mann scheint wieder verwirrt. „Du denkst, dass ich Student bin?“, fragt er. Wieder keine Antwort. Der Regen fällt weiter. Es donnert und blitzt. „Komm runter.“, sagt der Student zu Claudia. „Warum?“, fragt sie. „Warum nicht?“, entgegnet er. Claudia dreht sich um. „Es regnet,“, sagt Claudia, „in mir.“ „Warum regnet es?“, fragt der Mann. Der Fluss rauscht. „Weil mich jemand verletzt hat.“ Der Student schweigt. Es regnet weiter. „Dann solltest du dir einen Schirm nehmen, damit du nicht nass wirst.“, sagte der Student. „Woher soll ich den nehmen?“, fragt Claudia. Es donnert. „Komm, ich gebe dir meinen.“, bietet der Student an. Claudia sieht ihn nicht an. Sie steht auf dem Geländer. Sie schaut in die Tiefen des Flusses. Das Wasser fließt reißend weiter. Die Glocke schlägt. Der Morgen graut. Es regnet.



Spoiler Spoiler



Es war nur ein Gastarbeiter

Die Autotür knallt. „Leutnant, gut, dass Sie hier sind.“ „Was ist passiert?“, fragt der Leutnant. Der Detektive sieht seinen Vorgesetzten an. Sie gehen in Richtung Lagerhalle. Eine Kette schwingt in einem Säckchen, welches der Detektive hält, im Takt ihrer Schritte mit. „Schlimme Sache.“, sagt er. „Vielleicht sollten Sie sich seelisch darauf vorbereiten.“, meint der Detektive. Die Kette im Säckchen
schwingt weiter beim Gehen. Der Leutnant sagt nichts. Sein Blick ist grimmig, entschlossen. Die Tür zur Lagerhalle öffnet sich. Die Kette schwingt mit. „Man hat ihn hier gefunden.“, sagt der Detektive. „Diese Kette wurde bei ihm gefunden.“ Eine Kette mit einem Kreuz pendelt vor den Augen des Leutnants. Ein schlichtes, silbernes Kreuz. Der Leutnant sieht auf den Boden. Blut. Sehr viel sogar. Überall. Der Blick des Leutnants wandert herum. Auf dem Boden, auf der Maschine. Wirklich überall ist Blut. Auch auf der Kette ist Blut. Der Blick des Leutnants wird finster. Auf dem unscheinbaren Kreuz ist auch Blut. „Was ist vorgefallen?“, fragt er noch einmal. „Ein Streit.“, meint der Detektive. „Es ging darum, dass er nicht richtig Deutsch kann.“ Der Leutnant blickt auf das Kreuz. „Und was ist das?“ Seine Frage gilt der Kette. „Die wurde in..... seiner... Hand gefunden.“ Die Antwort kommt nur stockend. „Weil er nicht richtig Deutsch kann, fing der Streit an.“ Eine Feststellung. Keine Frage. Der Detektive nickt. „Er ist nur ein Gastarbeiter.“ Der Detektive zuckt mit den Schultern. Der Leutnant dreht sich um. „Was soll das heißen, „nur ein Gastarbeiter“?“, fragt er. Ein lauernder Unterton ist in seiner Stimme. Die Kette in der Hand des Detektivs rutscht etwas hinunter im Säckchen. Der Detektive selbst sieht seinen Vorgesetzten an. „Das soll gar nichts heißen, Leutnant, Sir.“ „Welche Verletzungen hat er denn?“ Die Kette rutscht wieder runter. „Ein Arm ist ab.“ „Deshalb das ganze Blut“, stellt der Leutnant fest. „Sie haben nicht sofort den Notarzt gerufen.“ „Warum nicht?“ Der Detektive sagt nichts. Der Leutnant starrt ihn an. „Na ja, es war ja nur ein Gastarbeiter.“



Spoiler Spoiler



Der Ball

„Dankeschön, dass du mir
hilfst.“ Peter sieht überrascht von ihren Füßen auf. „Das mache ich doch immer gerne.“, sagt er zu Sophie. „Ja, aber trotzdem danke.“ Sie lächelt. Peter sieht an ihr vorbei in die Ecke des Zimmers. Er hat ein ganz flaues Gefühl im Bauch. In der Ecke liegt ein Ball. Ein kleiner, roter Ball. Er ist schon etwas staubig. Die Luft ist auch schon fast vollständig aus ihm gewichen. „Ich hab dich lieb.“ Peter ruckt mit dem Kopf hoch. Er sieht Sophie an. Ihre Augen sind klein und rund. So, wie der Ball es gewesen ist. Sophie lächelt immer noch. Oder schon wieder. Peter weiß es nicht. „Ich dich auch.“ Es kostet ihn Kraft, das so unbeschwert zu sagen. „Mama hat mich auch lieb gehabt oder?“, fragt sie Peter. Sie lächelt nicht mehr. Peters Magen macht einen Sprung. So, wie der rote Ball vor drei Monaten. Einen großen Sprung. „Warum fragst du das?“; will er wissen. Er versucht beiläufig zu klingen. Er sieht wieder in die Ecke. „Mama hat mich doch auch lieb gehabt oder?“, fragt Sophie wieder. Eine Fliege setzt sich auf den luftleeren roten Ball in der Ecke. Peter schweigt. Er denkt nach. Er denkt an seine Mutter, an Sophie und an seinen Vater. Und an den kleinen, roten,
luftleeren Ball, der dort in der Ecke liegt. Verstaubt, mit einer Fliege, die auf ihm sitzt. „Peter?“ Sophie reist ihn aus seinen Gedanken. „Ja, was ist denn?“, fragt Peter und sieht sie wieder an. „Geht es dir gut?“ Sophie sieht ihn besorgt an. Peter sieht wieder weg. „Ja, ja, keine Sorge.“, sagt Peter. Er beobachtet die Fliege, wie sie wegfliegt. Weg von dem kleinen, roten Ball. Von dem Ball, der verstaubt in der Ecke liegt. Der Ball, der vor drei Monaten noch mit Luft gefüllt war. „Mama und Papa geht es doch auch gut oder?“, fragt Sophie. Peters Magen macht wieder einen Sprung. Er zögert. Er sieht in Sophies Augen. In diese kleinen, lachenden, runden Augen. Diese Augen, die ihn fixieren. Diese Augen, die vor drei Monaten den kleinen roten Ball fixiert haben. Damals als noch Luft im Ball war. „Ich bin mir sicher, dass es ihnen gut geht.“ Er antwortet so fest, dass er es selbst fast glaubt. Aber nur fast. Er weiß es nicht. „Ja, denn dort, wo sie jetzt sind, sind doch viele Engel, oder?“ Sophies Augen glänzen. „Und sie passen doch von dort auf uns auf, richtig?“ Peter nickt nur. Sein Magen spielt verrückt. Ein Sonnenstrahl fällt auf den verstaubten, luftleeren Ball in der Ecke. Auf den Ball, der drei Monate zuvor so viel verändert hat. Weil er ein Ball ist. Ein Ball der springt. In Gärten. Auf Gehsteigen. Auf Straßen. „Peter?“ Die Frage kommt zaghaft. Ängstlich. „Ja?“ „Ich will nicht weg von dir.“ Sophies Augen sind feucht. „Das musst du nicht.“ „Aber dieser Mann. Der kommt doch heute. Du bist doch mein Bruder, egal was dieser dumme Doktor gesagt hat. Ich hab dich lieb, also bist du mein Bruder.“ Eine weitere Fliege setzt sich auf den Ball. Auf einen luftleeren Ball, der vor Autos rollt. Vor Autos in denen Eltern sitzen. Ein Ball, der Eltern verschwinden lässt. „Wir könnten doch zusammen von hier weggehen. Zu meiner Tante.“ Der Vorschlag kommt zögerlich. „Ja, sie hat uns doch beide lieb. Auch mich. Obwohl sie nicht meine richtige Tante ist.“ „Ja, das können wir machen. Ich rufe sie gleich an.“ Er sitzt neben Sophie. Er rührt sich nicht. „Wann kommt der Mann dich holen?“, fragt Sophie. „Jetzt irgendwann.“ Stille. Sophie umarmt ihren Stiefbruder. Er hält Sophie fest. Sie sagen kein Wort. Es klingelt an der Tür. Eine Fliege fliegt von einem kleinen, roten, luftleeren Ball weg. Von einem verstaubten, roten Ball.



Spoiler Spoiler


Der Anruf

„Hast du noch immer nichts von ihnen gehört?“ „Nein. Leider nicht.“ „Sie müssen doch aber anrufen.“ Die Frau sieht aus dem Fenster. Der Mann sieht sie an. Sein Blick ist traurig. Das Telefon ist stumm. Draußen liegt Schnee. „Es ist kalt draußen.“, sagt die Frau. Sie schaut den Mann an. Er geht zu ihr. Das Telefon schweigt. Die Frau streckt ihre Hände Richtung Tisch. Sie nimmt ihre Stricksachen. Der Mann bleibt neben ihr stehen. Er schaut aus dem Fenster. Draußen ist es still. Genau wie das Telefon. „Sie haben doch gesagt, dass sie anrufen.“ „Ja, das haben sie.“ Die Frau lächelt abwesend. „Dann werden sie das bestimmt machen.“ Der Mann schaut die Frau an. Sein Blick ist traurig. Das Telefon klingelt nicht. „Ich stricke einen Schal für Julia.“ „Der wird ihr sicher gefallen.“, sagt der Mann. Die Frau lächelt sanft. Das Telefon gibt keinen Ton von sich. Die Frau bewegt die Stricknadeln auf und ab. Das Telefon bewegt sich nicht. „Sie sind bestimmt noch unterwegs. Darum rufen sie nicht an.“ Die Frau nickt sich selbst zustimmend zu. Der Mann schaut weg. Das Telefon ist ruhig. „Sie werden bestimmt anrufen, wenn sie zu Hause sind.“, sagt die Frau. Sie strickt weiter. Der Mann setzt sich auf einen Stuhl, welcher neben ihr steht. Er sieht aus dem Fenster. Sein Blick wird trauriger. Die Uhr tickt. Der Wind draußen pfeift um das Haus. Der Mann sieht zum Telefon. Zu einem stummen Telefon. Er schaut zu der Frau. „Die beiden werden sicher im Stau stehen.“, sagt die Frau. Der Mann nickt nur. Er schweigt. Genauso wie das Telefon. Draußen bläst ein kalter Wind. Es ist dunkel, eisig. Der Mann steht auf. Das Telefon bleibt stumm. Er schaltet den Fernseher ein. Das Telefon klingelt nicht. Der Nachrichtensprecher redet über ein Pärchen, welches im Koma liegt. Der Mann schluckt. Er schaltet den Fernseher aus. Das
Telefon rührt sich nicht. Die Frau lächelt abwesend. Sie strickt weiter. Die Stricknadeln klappern laut im stillen Raum. Ungestört, ohne ein klingelndes Telefon. „Ich werde Julia diesen Schal zu Weihnachten schenken.“, sagt die Frau. Der Mann sagt nichts. Er sieht die Frau nicht an. „Sie friert doch immer so.“ Der Mann steht auf. Er geht zum Fenster. Der Wind heult laut. Die Uhr tickt leise. Das Telefon läutet nicht. Die Frau strickt weiter. „Für Peter werde ich eine Mütze stricken. Die mag er doch so sehr.“ „Ja, da hast du Recht, Mutter.“ Schweigen. Die Stricknadeln klappern weiter. Der Wind pfeift. Das Telefon meldet sich nicht. Die Uhr tickt weiter. „Wann bist du fertig mit den Sachen?“, fragt der Mann. Er sieht die Frau nicht an. „Ich gebe ihnen dann die Sachen.“, sagt der Mann. „Den Schal.“ Er schluckt. „Und die Mütze auch.“ Nichts stört das Geräusch der sich bewegenden Nadeln. Auch kein läutendes Telefon. Die Frau sieht auf. Sie schaut den Mann an. Er steht mit dem Rücken zu ihr. „Mein Junge.“, sagt sie ganz leise. Sie schaukelt ein kleines bisschen mit ihrem Schaukelstuhl. „Dieser Stuhl von dir und Peter ist sehr bequem.“ Der Mann bewegt sich nicht. Das Telefon bleibt still. „Wann sie wohl anrufen werden? Es ist doch schon dunkel draußen.“, sagt die alte Frau. Sie schaut auf den Rücken des Mannes. Der Mann nickt kurz. Er starrt aus dem Fenster. Er schaut in die Dunkelheit. Seine Augen sind feucht. Sein Blick ist traurig. Das Telefon klingelt nicht. „Die beiden lassen sich aber Zeit, finde ich.“ Die Frau lächelt nicht mehr. Der Mann schweigt. Die Frau sieht weg. Sie beginnt wieder zu stricken. Das Klappern ist gut zu hören im stillen Raum. Die Frau beginnt wieder mit dem Schaukelstuhl zu schaukeln. Das Telefon rührt sich nicht. Der Mann atmet tief ein. Er hält kurz die Luft an. Er atmet aus. Die Glasscheibe vor ihm beschlägt. Er dreht sich um. Die Frau sit versunken in die Strickerei. Der Mann sieht der alten Frau zu. Er hat einen traurigen Blick. Er schaut weg. Er erblickt das Foto auf dem Tisch. Das Bild von ihm. Und Peter. Und Julia. Das Bild steht einfach nur da. Genau wie das Telefon. Die Frau summt leise. Der Schaukelstuhl wippt leicht. Immer vor und zurück. Der Mann geht wieder zu seinem Stuhl. Er setzt sich hin. Die Frau blickt leicht abwesend auf. „Wann wollten die beiden denn anrufen?“, fragt sie lächelnd. Er schluckt. „Ich weiß es nicht.“, sagt er. Die Frau nickt. Sie sieht wieder auf ihre Strickarbeit. „Ich möchte jetzt bald zu Bett gehen. Aber ich werde noch warten, bis sie angerufen haben. Nicht, dass etwas passiert ist.“ Der Mann schluckt. Er ist blass. Sein Blick ist traurig. Das Telefon ist stumm. Die Uhr tickt. Der Wind pfeift. „Hast du noch immer nichts von ihnen gehört?“, fragt die Frau leise. Der Mann sagt nichts. Die Frau blickt ihn an. „Nein. Leider nicht.“, sagt der Mann. Er denkt an Julia und Peter. Er denkt an die
Nachrichten von vorhin. „Sie müssen doch aber anrufen.“, sagt die Frau leicht verwirrt.



Spoiler Spoiler



Last Walk through the Night

„Hilfe, nein, lassen Sie mich los!“ Carlos stutzte. Er hatte doch gerade jemanden schreien hören. Hastig bewegte er sich in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Dann sah er sie auch schon. Sie lag auf dem staubigen Weg und kämpfte ächzend gegen den Mann, der auf ihr lag. Sie wehrte sich, doch der Mann war stärker und hielt ihre Hände fest. „Na, Süße wollen wir nicht etwas Spaß miteinander haben?“ Der Mann lachte leise und boshaft. Man konnte sein Vorhaben in seinen Augen blitzen sehen. „Hey, lassen Sie sie los!“ Carlos rannte auf die Beiden zu. Als der Mann aufsah und den Fremden auf sich zulaufen sah, schreckte er hoch. Doch Carlos war zu schnell. Er gab dem Mann, der immer noch über der Frau lag, einen ordentlichen Tritt in den Magen. Der Perverse wurde weggeschleudert und blieb ächzend zwei Meter entfernt liegen. Die Frau hatte alles nur starr beobachtet und lag noch immer unbewegt am Boden. Carlos reichte ihr seine Hand und half ihr auf ihre Beine. „Alles in Ordnung?“ Bei näherer Betrachtung war die Frau noch ziemlich jung. Sie konnte höchstens 25 sein. Das Mädchen nickte nur stumm. „Gut, dass ich Fußballer bin. Der steht so schnell nicht mehr auf.“ Carlos warf einen Seitenblick auf den Mann. Da stutzte er erneut. Der Perverse war spurlos verschwunden. Als hätte es ihn nie gegeben. Kurz wunderte sich Carlos, doch dann konzentrierte er sich wieder auf das Mädchen. Sie stand nur stumm da und starrte mit leerem Blick vor sich hin. Carlos musterte sie etwas genauer. Sie hatte lange, schwarze Haare, die ihr in sanften Wellen knapp über die Schulter reichten. Ihre kleinen, aber schönen Augen waren von einem hellen Grün, wie frisches Gras im Frühling. Sie war recht merkwürdig angezogen für diese späte Stunde. Sie trug eine hellblaue Jogginghose und ein dazupassendes Top. Doch was
war das? Auf der linken Seite, direkt über ihrer Brust, war ein kleines Emblem aufgebügelt. Das Emblem der städtischen Klinik für psychisch überlastete Patienten. ‚Na so was. Sie sieht gar nicht so krank aus...’ Das Mädchen sah ihn milde interessiert an. „Dankeschön.“ Mehr sagte sie nicht. Carlos nickte nur. Sie drehte sich um und ging, wie im Schlaf, davon. „Hey, Moment mal, wo willst du denn hin?“ Carlos eilte ihr nach. Sie blieb nicht stehen. „Ich muss zum Friedhof.“ Sie sagte es sehr leise, Carlos hätte es fast nicht gehört. „Warum
das?“ Sie antwortete nicht. „Warum?“ Carlos ließ nicht locker. „Ich muss dort hin.“ Mehr sagte sie wieder nicht. Carlos seufzte. „Und zu welchem?“ Sie blieb stehen. „Wie, welcher?“ „Zu welchem Friedhof willst du? Es gibt 4 in dieser Stadt.“ Sie sah in abwesend an. „Zum Memorial Friedhof.“ Wieder geflüstert. „Okay, dann begleite ich dich, damit dir nichts passiert.“ Sie nickte nur wieder abwesend und ging weiter. Schweigend wanderten sie nebeneinander her. „wir könnten die U-Bahn nehmen, dann sind wir schneller da.“ Wieder ein Nicken, sie schien mit ihren Gedanken ganz woanders. Carlos gab seine Versuche, eine Unterhaltung in Gang zu setzen, auf. Das Mädchen schien viel zu versunken in ihre Gedanken zu sein. Sie starrte mit trüben Augen apathisch vor sich hin. In der U-Bahn schlief sie, stehend an eine Stange geklammert, ein. Als ihre
Station kam, weckte Carlos sie, indem er sie sanft an der Schulter berührte. Sie war nicht erschrocken, schlug einfach nur die Augen auf und setzte sich in Bewegung, als die Türen aufgingen. Wieder Schweigen. Irgendwo läutete eine Turmglocke. Es war bereits ziemlich spät. Dann standen sie vor den Toren des Friedhofes. Er war nicht sonderlich groß und die alten zugewachsenen Grabsteine ließen darauf schließen, dass er schon lange nicht mehr gepflegt wurde. Carlos fragte sich, was das Mädchen auf einem so alten und nicht mehr benutzten
Friedhof wollte. Das Tor war mit einer Kette und einem schweren Schloss versperrt. „Sieht aus, als ob wir nicht weiterkommen würden.“ Während er das sagte, sah er zu ihr hin. Doch sie war plötzlich weg. Erschrocken drehte er sich um. Sie stand bereits auf der anderen Straßenseite und klopfte an eine
Ladentür. Ein Schild über der Tür wies es als ein Bestattungsunternehmen aus. „Da wird niemand mehr sein, es ist bereits spät. Der Laden hat bereits geschlossen.“
Kaum hatte Carlos geendet, ging, entgegen seiner Aussage, plötzlich Licht hinter dem Schaufenster an. Leise klickte das Türschloss und mit einem Knarren öffnete sich die Holztür. Ein alter Mann stand vor ihnen. Ein sehr alter Mann. Sein Haar war schlohweiß, sein Gesicht war so runzelig, dass sogar die Falten noch Falten hatten. Gebückt und schwer auf einen Gehstock gestützt, sah er den Beiden entgegen. Sein fragender Blick wanderte von Carlos zu dem Mädchen. Plötzlich ein kleines Strahlen über sein Gesicht. „Ich habe dich bereits erwartet.“ Der Satz galt ihr. Sie starrte nur weiter apathisch in seine Augen. Carlos verstand nichts mehr. Der Mann schien mehr zu wissen als er. Genannter humpelte bereits zum
Tresen, kramte dort einige Zeit lang und kam dann zurück. In seinen Händen trug er ein kleines Kästchen, das reich verziert war. Mit einem weiteren Lächeln öffnete er das Kästchen, griff hinein und drückte Carlos dann ohne ein Wort einen Schlüssel in die Hand. Dieser war vollkommen verwirrt. Ohne ein weiteres Wort schloss der Mann wieder die Tür. Das Licht erlosch uns so standen die Beiden, wieder alleine, im Dunkeln vor der Tür. Carlos fragte sich, was das Ganze sollte. Wieder wollte er das Mädchen etwas fragen, doch die war erneut
bereits auf der anderen Straßenseite. Sie stand wieder vor dem Tor. Als Carlos bei ihr war, nahm sie ihm sanft den Schlüssel aus der Hand. Ihre Finger waren überraschend kalt. Carlos spürte die Berührung wie einen kalten Luftzug auf seiner Handinnenfläche. Mit einem lauten Knacken öffnete sich das Schloss. Scheppernd fiel die Kette zu Boden. Das Tor quietschte laut als sie es aufdrückten. Das Mädchen setzte sich in Bewegung. Sie schien etwas zu suchen, sah sich um, während sie langsam den zugewachsenen Weg entlangging. Irgendwann – nach einer kleinen Ewigkeit, wie es Carlos vorkam – blieb sie stehen. Das Grab, welches sie nun betrachtete, war groß. Vermutlich ein Familiengrab. Langsam kam Carlos ein Verdacht. Hinter dem Grabstein stand ein steinerner
Engel. Er hatte seine Augen geschlossen. Die Flügel leicht abgespreizt, stand er, mit zusammengelegten Händen, hinter dem Grabstein. Der graue Stein war früher bestimmt äußerst ansehnlich gewesen. Jetzt allerdings war er von Efeu bedeckt. Das Mädchen kniete sich vor den Grabstein. Carlos stellte sich hinter sie und las die Inschrift:


Hier ruht in Frieden die Familie Jenkovic

In goldenen Lettern leuchteten darunter die Namen der Verstorbenen:

Karla Jenkovic

*15.01.1945 ┼ 18.02. 1999


Hannes Jenkovic

*03.02.1940 ┼ 18.02.1999


Jeffrey Jenkovic

*16.08.1974 ┼ 18.02.1999


Cindy Katharina Jenkovic

*17.12.1991 ┼ 18.02.1999


Ein Stückchen darunter war etwas hinzugefügt worden; eine Inschrift, ein weiterer Name und ein Datum, das
2 Monate nach dem Todesdatum der anderen angeführt war:


Viel zu früh bist du deiner Familie gefolgt.

Anna Karla Jenkovic

*20.02.1975 ┼ 18.04.1999

RUHET IN FRIEDEN!

„Wieso steht dort mein Name?“ Carlos sah das Mädchen perplex an. „Wieso dein Name? Wie heißt du denn?“
Schweigen. „Anna Karla Jenkovic.“ Leise, langsam, ungläubig kommen die Worte. Carlos bekam eine Gänsehaut. „Wieso steht dort mein Name? Ich bin doch nicht tot...“ „Vielleicht... ein... Verwaltungsfehler?“ Der Wind bläst ihr die Haare ins Gesicht. „Nein, es ist wahr.“ Carlos’ Herz bleibt fast stehen. Er sieht
nach rechts von wo die Stimme gekommen war. Dort stehen eine Frau, ein Mann, ein weiterer jüngerer Mann und ein kleines Mädchen. Alle sehen herüber. Sie sehen Anna an. Diese steht auf und sieht ungläubig und verwirrt zu ihnen. Zu denen, die ihre Familie sind. „Du bist tot. Komm zu uns.“ Das kleine Mädchen
streckt die Arme nach ihr aus. Anna bewegt sich nicht. Carlos setzt an etwas zu sagen. Er kann nicht. Nochmal setzt er an. Kein Erfolg. „Was ist hier los?“ Endlich gelingt es ihm. Die Toten sehen ihn an. Die Frau lächelt ihn an. „Wir sind tot. Alle. Auch unsere Anna. Wir starben bei einem Verkehrsunfall, als wir Anna von einem Bahnhof abholen wollten. Unsere, sensible kleine Anna, sie hat es nicht verkraftet. Sie wurde in die Klinik eingeliefert. Seit zehn Jahren warten wir, dass sie zu uns kommt. 2 Monate nach dem Unfall brach sie aus der
Klinik aus. Doch sie wurde im Park überfallen und getötet. Ihr Mörder ist kurze Zeit später bei einer Schießerei umgekommen. 10 lange Jahre ist sie jedes Jahr dieselbe Strecke gelaufen. 10 lange Jahre hat er ihren Geist wieder überfallen. Und heute hast du sie vor ihm gerettet. Dadurch kann sie nun endlich zu uns kommen. Dank dir können wir nun alle in Frieden ruhen.“ Die Frau beendete ihre Erzählung mit einem Lächeln. Carlos war still, sprachlos. Anna ging langsam zu ihrer Familie. Diese nahmen sie alle in den Arm. Eine merkwürdige Stille lag in
der Luft. Eine fast unheimliche Ruhe war zu spüren. Anna drehte sich um. Ein plötzlicher Windstoß trieb ihre Haare aus dem Gesicht. „Danke.“ Dieses eine Wort war klar und deutlich zu verstehen. Ein Lächeln auf ihrem Gesicht, ein Leuchten in ihren Augen. Plötzlich waren alle verschwunden. Spurlos. „Sie haben mich eingeweiht.“ Carlos drehte sich abrupt um. Der alte Mann von vorhin stand vor ihm. „Sie haben mir alles erzählt und mich vorbereitet. Carlos drängte sich eine Frage auf. „Warum konnte ich sie berühren? Und den Mann?“ Der Alte lächelte traurig. „Weil sie alles für real hielt. Sie dachte, sie würde noch leben. Dadurch hat sie alles berührbar gemacht. Jetzt kann sie in Frieden ruhen. Braver Junge.“ Der Mann lächelte verschmitzt und humpelte davon. Carlos blieb vor dem Grab alleine zurück. Oder doch nicht ganz alleine?......


The End


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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Kirakane« (26. Mai 2010, 11:56)


Lucris

~Kritikergott~

  • »Lucris« ist männlich

Wohnort: Hamburg

Beruf: Zahnarzt

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2

Mittwoch, 26. Mai 2010, 12:59

Eine Lawine von Kurzgeschichten, die aber gegen mein Schild der gnadenlosen Kritik zerschellt und wie ein Frühlingsregen viel zu früh zuende geht... Hallo ich bin Lucris. Der Moderator dieser Section und Erzfeind schlechter Literatur. Dann wollen wir mal deine Ergüsse betrachten und bewerten:


Wasser:

Was war gut:
Sätze stellen sich hintereinander an und die Informationen erwartet uns verhüllt und Nonstop. Wir sehen nicht wirklich was geschieht und verfolgen eine Geschichte einer jungen Frau, die sich das Leben nehmen möchte. Warum erfahren wir kaum und die Anlässe bleiben uns auch soweit es geht verhüllt. Aber was solls. Man fliegt durch die Kurzgeschichte und das Interesse bleibt bis zum Ende, welcher wirklich sonderbar Düster und sehr gelungen wirkt. Man sieht hört oder merkt nichts, aber man weiß genau, was passiert ist. Hervorragend und tolle Nutzung des Regens als dunkle Metapher!

Was war schlecht?
Es ist selbst für eine Kurzgeschichte zu schnell. Die Charakter fallen aus und einige Punkte bleiben nicht ganz klar. Der junge Mann wunderte sich, dass er als Student angesprochen wird und obwohl wir keine Bestätigung seinerseits bekommen, führst du die Beschreibung seines Charakters als Student fort. Aber das ist nun wirklich nur Nip Picking und fällt nicht sonderlich ins Detail.


Es war nur ein Gastarbeiter:

Was war gut:
Diese Geschichte hat mich wirklich etwas zerstört und... naja etwas verletzend beledigt. Du hast in mir also Gefühle geweckt, was für einen Author das Hauptziel ist. Glückwunsch. Die Tatsache ist aus dem direkten Leben gerissen und erscheint sehr real. Aber dennoch...

Was war schlecht:

... kann ich mir das Gefühl nicht nehmen, dass diese Geschichte sehr angreifbar von so manchen sein kann. Es stört mich nicht die Tatsache, dass ein Ausländer angegriffen und zerstümmelt wurde, sondern dass er in seiner arbeitenden Firma erst so spät Hilfe bekam. Das ist provokativ und hat mich etwas zu sehr mitgenommen.


Der Ball:

Was war gut:
Jegliche Metaphern wurden mit nur einem Ball erklärt. Respekt in dem Sinne. Das hast du scheinbat sehr gut drauf. Es fehlte hier nicht an bildlicher Vorstellungskraft und man brauchte nur fragmente von Wörtern, um einer scheinbar tragischen Geschichte zu folgen.

Was war schlecht:
ich bin verwirrt. Ich habe die Tatsache nicht genau verstanden. Die Eltern sind bei einem Autounfall, ausgelöst durch den Ball, ums Leben gekommen. Aber die Kinder sind nur Stiefgeschwister. Wessen Eltern sind denn jetzt Tod? Also haben die Eltern nur nachträglich geheiratet und den Junge geht zu seiner ursprünglichen Familiengeschichte zurück? Habe es jedenfalls so verstanden.


Der Anruf:

Was war gut:
Naja, um ehrlich zu sein schwächelt diese Geschichte im Gegensatz zu den anderen. Wieder mal eine Metapher und dieses Mal als Telefon und der wartendende Anruf. Hat auch wieder geklappt.

Was war schlecht:
Zu unverständlich und unklar. Man kann sich zwar genug vorstellen aber wir haben keine Beweise für unsere Gedanken. Sind die beiden die Kinder oder nur den Sohn mit seiner Frau? Warum machen sich beide soviele Sorgen? Es stürmt draußen und jetzt? Klar ist sowas gefährlicher, aber erwraten sie die beiden? Waren sie soeben noch da? Was ist denn nun am Ende?


Last Walk through the Night:


Was war gut:
Die längste Geschichte besticht durhc Ruhe, die bis zum Ende hin stehen bleibt. Es ist mehr eine angenehme Geschichte ohne versteckten Hinterhalt. Nett und schlicht.

Was war schlecht:
Das Ende war ab dem Begriff Friedhof hervor zu sehen. Es gibt keine Überraschung oder Wendung. Schade. Halt eine Geistergeschichte, wie man sie bereits kennt und in vielen Formen gelesen oder bereits gesehen hat.


Wasser = 6/10

Es war nur ein Gastarbeiter = 4/10

Der Ball = 5/10

Der Anruf = 4/10

Last Walk through the Night = 5/10

I am Zantus. I fought my Way, to be your Demon King

Kirakane

Padawan

  • »Kirakane« ist weiblich
  • »Kirakane« ist der Autor dieses Themas

Wohnort: Landscha

Beruf: Schülerin

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3

Mittwoch, 26. Mai 2010, 16:16

@ Lucris

Aaalso,

nachdem du dir schon die zeit genommen hast und alle KGs gelesen und kommentiert hast, geb ich auch gleich Antworten.

Allgemein: Ich habe jede KG nur so geschrieben, wie ichs in der Schule gelernt habe. ^^ Bestimmte Dinge mussten vorhanden sein und ich hab mir immer Mühe gegeben, alles einzuhalten. :)

Wasser: Dies war meine 1. Kg überhaupt. ^^ Von daher glaub ich gerne, dass sie nicht gut gelungen ist.

Gastarbeiter: Provokation war die Absicht hinter dieser Geschichte. Ich wollte die Tatsachen schildern, ohne Beschönigung, ohne Abschwächen oder gewisse andere verharmlosende Effekte. Auch, wenn es hier nur ein erfundener Protagonist ist, gibt es heutzutage solche oder ähnliche Situationen sehr häufig. Diese KG ist meine Art darauf aufmerksam zu machen und die Leute wachzurütteln. :)

Ball: Du hast es fast richtig verstanden. Ja die beiden sind Stiefgeschwister und die kleine ist adoptiert. Sie soll in ein Heim kommen, der Mann ist vom Jugendamt.

Anruf: Also, der Mann und die junge Frau (Julia) sind Geschwister, sie sind die Kinder der alten Frau. Der andre ist der Verlobte/Freund/Ehemann von Julia. Nein, das Pärchen liegt schon länger im Koma, was man in den Nachrichten hört. Die alte Frau hat es nur nicht verkraftet und erlebt jetzt immer wieder den selben Tag, den Tag des Unfalls. In meiner Geschichte habe ich das Wetter so gestaltet, dass es gleich ist, wie bei dem eigentlichen Unfall. (Ich weiß nicht, war das jetzt verständlich???) Der Mann allerdings lebt noch bei seiner Mutter um ihr zu helfen, weiß aber, dass die andren im Koma liegen. Die alte Frau wartet auf den Anruf der Beiden weil sie durhc den Schock ja geistig am selben Tag ist, der Mann auf den Anruf des Arztes, der ihm sagen soll, dass das Pärchen wieder wach ist.

Last Walk.....:
Also, das war meine erste Geistergeschichte überhaupt. ^^ Ich hatte die Szene im Kopf und musste sie loswerden. XD Ich bin anscheinend nicht gut darin solche Geschichten zu schreiben oder aber es ist heutzutage einfach sehr schwer eine gute zu machen, da es schon so viele gibt und man kaum noch was neues erfinden kann. ^^


So, ich hoffe, dass die Fragen gut beantwortet wurden. Falls es noch welche gibt, kann man die immer stellen. ^^

Ich habe mir erlaubt, meine anderen Werke auf meiner Hompage zu veröffentlichen, da es hier etwas zu kompliziert ist.... ^^;

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Chirio *miau*
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Ada

Nachteule

  • »Ada« ist weiblich

Wohnort: Berlin

Beruf: Bandenmitglied der "Nachteulen"

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4

Samstag, 29. Mai 2010, 16:07

Wasser:
Was mir am meisten gefallen hat, war die Dynamik, in der du den kurzen und knackigen Text erzählt hast.
Du verzichtest auf viele Beschreibungen und konzentrierst dich nur auf eine Sache. Ich würde sagen, dass diese Geschichte fast schon gefühlslos war. Genauso gefühlslos wie Claudia?
Einerseits ist es gut, weil diese Erzählweise die Stimmung im Text gut rüberbringt. Aber andererseits wirkte es auch zu abgehakt. Es war ZU schnell. Man konnte keinerlei Gefühl dafür aufbaun, nur mitansehn, wie sich jemand das Leben nehmen wollte. Als Zuschauer würde man sich einfach denken: Mir doch egal, was du machst, stört mich nicht.
Vielleicht wäre es besser gewesen, noch ein wenig mehr auf ihre Gefühle einzugehn und die Umgebung näher zu beschreiben, damit man sich ein Bild von der Gegend machen kann, in der sie sich befindet.

Nur ein Gastarbeiter:
Auch in diesem kurzen Text hast du's geschafft, viele negative Gefühle hervorzubringen. Man hat eine Antipathie gegen die Haltung des Detectives entwickelt. Auch der gleichgültige Dialog den er und der Leutnant geführt haben, als ginge es nicht um ein menschenleben, hast du sehr gut hinbekommen.
Aber, wie in deinem Text zuvor, fehlt mir auch hier eine detailliertere Beschreibung. Diese Kurzgeschichten ist wie eine Skulptur, der der Feinschliff fehlt.
Ansonsten hat mir "Nur ein Gastarbeiter" aber sehr gefallen.

Ball:
An diesem Text kann man nichts aussetzen. Es war wirklich wunderbar, wie du im Leser ein Kopfkino verursacht hast. Wie ein Filmriss, der sich immer mehr und mehr wieder zu einem ganzen Film zusammen gefunden hat. Eine echt tolle und tragische Kurzgeschichte!

Der Anruf:
Hier muss ich Lucris recht geben. Die Geschichte schwächelt im Vergleich zu den anderen, und die Beziehungen wie du sie beschrieben hast kommen nicht ganz klar zum Vorschein. Man kann sich zwar denken, dass die alte Frau in Erinnerungen schwelgt und die Vergangenheit nicht akzeptieren kann, aber es ist dennoch etwas unklar.
Der Text konnte diesmal beim lesen keine Gefühle in mir wecken.

Kirakane

Padawan

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5

Samstag, 29. Mai 2010, 20:48

@ ada

hey,

danke fürs lesen und kommi geben!

^^ wisst ihr was seltsam ist?

der anruf war die einzige schularbeits-KG mit der ich ne glatte eins kassiert habe.

ich hatte keine rechtschreibfehler und hatte auch als basisnote (setzt sich aus inhalt, umsetzung der kriterien, satzbau, stil, etc zusammen) ne eins. ^^

aber na ja, vl muss ich das einfach noch ein bisschen üben. ich wollte auch nicht zu viel beschreiben, weil wir gelernt haben, dass man eben nur so schreiben darf, dass es zeitdeckend ist.

hoffe ich konnte ein wenig helfen. :-)

chirio *miau*
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6

Montag, 20. September 2010, 15:54

Dann geb ich auch mal meinen Senf dazu... Auch wenn's ein bisschen spät ist ;)

Wasser:

Spoiler Spoiler

Schöne Geschichte, das Motiv des Regens ist gut eingearbeitet. Interessant, wie man in Claudias Gedanken blickt, ohne doch wirklich viel über sie zu erfahren – man liest die Worte, die sie denkt, aber ihre Gefühle werden mit keinem Wort erwähnt. Beschrieben werden sie nur durch die Handlungen und den inneren Monolog bzw. später den Dialog, die sie auslösen; und natürlich durch das Wetter, das ja – wie Claudia selber sagt – ihr Innenleben spiegelt.

Einzige Kritik: Der Zeitablauf stimmt nicht ganz. Wenn die Glocke erst Mitternacht schlägt und dann vier Mal – selbst wenn Claudia tatsächlich so lange allein dort steht (kann ja sein, auch wenn vier Stunden verdammt lang ist), warum werden die Glockenschläge dazwischen komplett ausgelassen?


Es war nur ein Gastarbeiter:

Spoiler Spoiler

OK, zuerst das, was mich am meisten gestört hat (sorry, aber das muss ich loswerden): Die Geschichte spielt eindeutig in Deutschland. Der Gastarbeiter ist in einen Streit geraten, weil er nicht richtig Deutsch kann, „Gastarbeiter“ ist ein Wort, das es meines Wissens so nur in der deutschen Sprache gibt.

In der deutschen Polizei gibt es weder den Rang „Detektiv“ noch den Rang „Leutnant“.

Ansonsten... Tja, du willst provozieren mit dieser Geschichte, das wird klar. Ich bin aber nicht sicher, ob dir das wirklich gelingt (gut, den Reaktionen anderer im Forum nach zu schließen, schon). Du bringst die Gleichgültigkeit der beiden Polizisten gut rüber, aber leider wird dadurch auch die eigentlich grausige Szene („Wirklich überall ist Blut“) irgendwie gleichgültig. Du scheinst das zu merken, denn du betonst das Blut mehrfach, aber zumindest bei mir bewirkt das das Gegenteil. Es wirkt wie Cartoon-Blut. Es lässt mich irgendwie kalt. Und so kann ich auch nicht mitfühlen, wie die letzten Minuten des Toten gewesen sein müssen, der verblutend dalag, ohne dass jemand den Notarzt holt. Eigentlich sollte mich das mitnehmen, und die Untätigkeit und Gleichgültigkeit der anderen sollte mich aufregen... das passiert aber nicht. Ich verurteile die Aussage „nur ein Gastarbeiter“ nicht aus emotionalen, sondern nur aus ideologischen Gründen.
Das einzige, was man über den Gastarbeiter erfährt, ist, dass er nicht gut Deutsch konnte und ein Kreuz an einer Kette trug. Auch hier sehe ich zwar, dass du ein Stilmittel verwenden wolltest, vielleicht die Kette als letzter Teil der Persönlichkeit des Gastarbeiters, der ja nicht „nur ein Gastarbeiter“, sondern ein Mensch mit einem Glauben, einem Charakter, mit Gefühlen und Wünschen usw. war. Leider bleibt es aber beim Versuch – ich fühle nichts für den Gastarbeiter. Auch seine Kette lässt mich kalt. Vielleicht ist das Kreuz einfach ein zu oft benutztes Symbol, oder eines, das alleine nicht funktioniert – ich bin nicht sicher. Aber wie gesagt, dieses Symbol ist wie die ganze Geschichte: Es berührt mich nicht.

Schade.


Der Ball:

Spoiler Spoiler

Schöne Geschichte. Schön, wie der Ball erst ein Accessoire ist und dann immer weiter in den Mittelpunkt rückt, als Ursache und gleichzeitig Metapher für diese Situation, die ja auch das Ende von Peters Kindheit ist. Anfangs wundert man sich, warum der Hinweis auf den Ball so oft wiederholt wird, aber sobald die Hinweise sich verdichten, versteht man auch den Anfang.

Ein bisschen verwirrend ist die Verwandschaftssituation – sie sind Stiefgeschwister, aber einer ist adoptiert? Adoptivstiefgeschwister also? Wer wurde von welchem Elternteil adoptiert? Und wessen Tante ist es denn nun, zu der sie wollen? Aber das nur am Rande, es beeinträchtigt in meinen Augen die Geschichte nicht wirklich. Man versteht, dass die beiden Kinder zwar zu einer Familie gehören, aber auseinandergerissen werden sollen.



Der Anruf:

Spoiler Spoiler

Eigentlich ist klar, was das Problem mit dieser Geschichte ist, oder? Wenn du so viel vom Hintergrund erklären musst, damit man die Geschichte überhaupt verstehen kann, dann kann die Geschichte nicht gut sein. Natürlich weißt du als Autor mehr über deine Figuren als die Leser, aber in der Geschichte müssen alle Infos, die der Leser braucht, schon drin sein.

Klar sollte man auch nicht in die Gegenrichtung gehen und alles mit Erklärungen zumüllen. Aber wenn du überhaupt Erklärungen brauchst, solltest du dir überlegen, ob das so als Geschichte funktioniert.


Last Walk...:

Spoiler Spoiler

"Klinik für psychisch überlastete Patienten"? Puh... Bevor du dir Namen für Institutionen ausdenkst, recherchier doch einfach, wie sich reale Beispiele nennen. Für "psychisch überlastete" Leute gibt es keine eigenen Klinik, die werden entweder ambulant therapiert oder kommen in eine ganz normale Klinik "für Psychiatrie und Psychotherapie". Komisch übrigens, dass Carlos keinerlei Angst vor dem Mädel verspürt - das ist die übliche Reaktion geistig Kranken gegenüber, erst recht, wenn sie "gar nicht so krank" aussehen. Woher weiß er, dass sie nicht abgehauen ist? Warum bringt er sie nicht dorthin zurück oder ruft dort zumindest an? Vielleicht ist sie gefährlich. Vielleicht ist sie völlig desorientiert. Immerhin kommt sie offenbar aus der Klapse. Klar, für den Plot ist es wichtig, dass er sie mitnimmt, aber dass er nicht mal darüber nachdenkt, ist seltsam.

Hm, der alte Mann hebt den Friedhofsschlüssel in einem reich verzierten Kästchen auf? Das ist zwar eine schöne Szene und passt zur ganzen romantischen Schauergeschichten-Atmosphäre, aber in eine Welt mit U-Bahn passt das leider nicht wirklich. Schileßlich muss der Friedhof ja auch jeden Tag aufgeschlossen werden - es wäre sehr unpraktisch, einen täglich benutzten Schlüssel in einem Extra-Kästchen aufzubewahren. Und es ist befremdlich, dass er den Schlüssel so einfach an Carlos weitergibt. Der könnte ja auch den Schlüssel klauen oder seinen Zugang benutzen, um Penisse auf Grabsteine zu sprayen.

Das Ende ist schön. Du greifst die Motivik und Thematik romantischer Schauergeschichten schön auf, und hier ist die Erklärung für alles sehr passend in den Dialog eingeflochten. Carlos stellt sozusagen die Fragen, die der Leser hat, und der alte Mann kann sie beantworten.

Natürlich ist diese Geschichte sehr klassisch, auch im Sinne von "alles schon mal dagewesen", aber ich finde es schön umgesetzt.


Zuguterletzt noch ein allgemeiner Tipp: Absätze sind deine Freunde ;) Mach ein paar mehr Absätze in deine Geschichten, auch in die kürzeren, das macht sie leichter lesbar. Und mach vor allem bei wörtlicher Rede Absätze zwischen die Aussagen verschiedener Personen, also statt:
"Was hast du gesagt?" "Ich habe gesagt, dass ich Pizza will." "Nein, davor."
besser:
"Was hast du gesagt?"
"Ich habe gesagt, dass ich Pizza will."
"Nein, davor."

Und jetzt will ich Pizza :P

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Luke McKinney on cracked.com


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