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Reiji

Gaukler

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1

Montag, 3. Mai 2010, 14:10

Burka-Verbot in Belgien

Belgien hat als erstes europäisches Land das Tragen von Kleidungsstücken komplett VERBOTEN, welche
das Gesicht "ganz oder hauptsächlich verdecken".
Gut, die Überschrift ist "übertrieben", denn es wird kein Kleidungsstück explizit genannt
(Beispielsweise die Burka oder die Niqab), jedoch fallen diese Keidungsstücke, die Ausdruck
religiösem Glaubens und Zugehörigkeit sind, auch unter das Verbot.
Auch Frankreich will bald mitziehen und Mai/ Juni ein Gesetz verabschieden, welches
vollverschleierten Frauen bis zu 150 Euro Bussgeld kosten kann.

Siehe hierzu:
http://www.focus.de/politik/ausland/belg…aid_503803.html

Was haltet Ihr davon, findet ihr es gut oder eher nicht?

Meine Meinung ist: Finde ich nicht gut. Jeder sollte selber wissen, was er für richtig hält.
Wenn jemand streng gläubig ist, und die Religion ein bestimmtes Kleidungsstück vorschreibt,
muss jeder selber entscheiden, ob er dies tun will und nicht grundsätzlich vom Statt verboten
bekommt.
Andererseits finde ich aber auch, dass ich, wenn ich in einem anderen Land lebe, mich der
dortigen Kultur anpassen sollte. Das soll nicht heissen, dass man seine eigene Kultur/ Religion/
Herkunft verleugnen oder gar nicht mehr ausführen sollte/ darf. Man sollte lediglich nicht
so "radikal" fordern, dass die eigene Kultur/ Religion in diesem Land anerkannt und
durchgeführt werden "muss"!

Übrigens, auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es ein "Vermummungsverbot", allerdings
bezieht sich dies eher auf Vermummung bei Demonstrationen und Versammlungen.
Siehe hierzu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vermummungsverbot

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Reiji« (3. Mai 2010, 14:20)


2

Montag, 3. Mai 2010, 14:30

Ich fände es Ok, wenn nur ein kleines Wörtchen nicht wäre: Komplett.
Es ist komplett verboten, total dämlich meiner Meinung nach. Man könnte dann genauso gut Brillen verbieten. Gibt doch Kontaktlinsen.

Es macht lediglich auf Fotos Sinn oder wenn man ein Ansprechpartner irgendwo ist. Denn es wäre schon komisch mit einer Person zu reden wo man nicht mal das Gesicht sieht.
Ansonsten ist es Schnuppe, jeder sollte selber Wissen was er tragen soll.
Witzig dagegen finde ich das sehr wenig Klamotten erlaubt sind, z.B. Miniröcke bei 14-jährigen.
Ich als Direktor oder Lehrer würde so eine Schülerin nach Hause schicken damit sie sich umzieht. Generell wäre ich für Uniformen bei Solchen Sachen wie Schulen.
In einer Bank oder beim Bund ist es nicht anders.
Denn generell repräsentiert man das Geschäft, zumindest zu dem Zeitpunkt wo man arbeitet.
Mir ist es eigentlich egal welche Kleidung man trägt, das einzige was ich mir von meinem Gegenüber wünsche ist das er/sie nicht so nackt sind das ich nicht weiß wo ich hingucken soll ODER so bedeckt sind das ich nichtmal weiß wo das Gesicht ist.

Bin anscheinend etwas abgedriftet.
Was ich einfach sagen will ist. In manchen Fällen ist es nunmal nötig das Gesicht zu sehen: Führerschein, Bewerbungsfoto etc.
Ansonsten kann es allen egal sein, ich persönlich habe gerne Augenkontakt wenn ich mit jemandem rede, würde da aber nicht krampfhaft drauf beharren wenn sich der/die andere unwohl dabei fühlt.

Was ich mich sowieso Frage warum es keine "Entblössungsvorschrift" gibtXD
Erst wenn jemand nackt durch die Straßen läuft wird er eingesammelt. Miniröcke sind dagegen Ok.

Ada

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3

Montag, 3. Mai 2010, 14:59

Zitat

Andererseits finde ich aber auch, dass ich, wenn ich in einem anderen Land lebe, mich der
dortigen Kultur anpassen sollte. Das soll nicht heissen, dass man seine eigene Kultur/ Religion/
Herkunft verleugnen oder gar nicht mehr ausführen sollte/ darf.


Kannst du mir einige Dinge näher erklären, Reiji, wie sie wirklich gemeint sind?
Solange ich meine Religion auslebe, ein Großteil was mein leben bestimmt und die Sitten/Bräuche sowie Kultur in einem Land akzeptiere, ohne sie auszuführen, dann denke ich, ist eine goldene Mitte gefunden. Oder was meinst du genau unter anpassen?

Zitat

Man sollte lediglich nicht
so "radikal" fordern, dass die eigene Kultur/ Religion in diesem Land anerkannt und
durchgeführt werden "muss"!


Inwiefern findest du, dass man seine eigene Kultur/ Religion radikal durchsetzen will?
Fällt dadrunter auch eine Frau, die eine Burka trägt, wegen ihrem Glauben?
Ist es dann nicht radikal, wenn man diesen Glauben durch ein Verbot einschränkt? (Ich beziehe mich hierbei jetzt nur aufs aktuelle Thema)
Das, was auf vielen Seiten leider weiterhin fehlt, ist die Akzeptanz.


Zum Burka-Thema:
Ich denke, dass das größte Problem bei diesem Thema das fehlen eines "einheitlichen" Islams ist. Damit meine ich, dass in einigen Ländern das tragen eines Burkas Pflicht ist (was schonmal gegen die islamische Vorschrift - um es ganz pauschal auszudrücken - "man darf niemanden zu etwas zwingen" verstößt), in anderen Ländern wiederum reicht das tragen eines Hijabs (also ein Kopftuch wo man das Gesicht komplett sieht und ein langes Kleid, dass bis zu den Knöcheln geht und nicht eng am Körper sitzt). Durch diesen Zwiespalt entstehen Fragen über Fragen. Mir mangelt es hierbei doch sehr stark an einer einheitlichen Aufklärung. Denn viele die etwas gelehrt bekommen, stellen dieses auch nicht in Frage. Für sie ist das das richtige. Und dieses denken kann unter Umständen zum Missbrauch einer Religion führen, ergo: schlechte, unterdrückende Religion.
Aber, etwas zu verbieten, was für einen persönlich die Religionsausübung einschränkt und das in jeglicher Hinsicht, ist inakzeptabel und verstößt zusätzlich gegen Menschenrechte. Die Auferlegung einer Strafe, falls man dies doch tun sollte, rundet alles noch ab.
Zudem gibt es nicht den Moslem. Auch im Islam gibt es 'Gruppierungen', die sich in der Auslebung der Religion (wenn auch zum Teil nur minimal) unterscheiden. Es gibt zum einen die Schiiten, die Sunniten und die Aleviten. Diesen Unterschied berücksichtigen aber viele nicht.

Was man allerdings nicht bestreiten kann ist, dass es durchaus und leider Frauen gibt, die zum tragen eines Kopftuchs oder eines Burkas gezwungen werden.
Aber das auf die Allgemeinheit abzuwälzen und die zu missachten, die es aus freien Stücken tun, ist genauso falsch. Stattdessen sollte man sich nach einer anderen, geeigneteren Problemlösung umschaun.

Reiji

Gaukler

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4

Dienstag, 4. Mai 2010, 07:30


Kannst du mir einige Dinge näher erklären, Reiji, wie sie wirklich gemeint sind?
Solange ich meine Religion auslebe, ein Großteil was mein leben bestimmt und die Sitten/Bräuche sowie Kultur in einem Land akzeptiere, ohne sie auszuführen, dann denke ich, ist eine goldene Mitte gefunden. Oder was meinst du genau unter anpassen?


Das meinte ich damit. Auch gegen das ausführen der Bräuche hab ich persönlich nichts, solange diese Bräuche
nicht in irgendeiner Weise andere Leute "beeinträchtigen". Ist schwer zu erklären.
Natürlich gibt es in jedem Land immer "Kurzsichtige", die sich durch alles gestört fühlen, was sie nicht kennen.
Siehe hierzu auch die Antwort zum nächsten Zitat.


Inwiefern findest du, dass man seine eigene Kultur/ Religion radikal durchsetzen will?
Fällt dadrunter auch eine Frau, die eine Burka trägt, wegen ihrem Glauben?
Ist es dann nicht radikal, wenn man diesen Glauben durch ein Verbot einschränkt? (Ich beziehe mich hierbei jetzt nur aufs aktuelle Thema)


Nein, die Burka zählt dazu definitiv nicht für mich. Wenn eine Frau dies tragen will oder muss, dann
soll sie das tun, es stört und beeinträchtigt niemanden. Darum schrieb ich ja auch, dass ich dieses Verbot
nicht gut finde. Sollte es irgendwann in Deutschland zur Debatte stehen, werde ich es nicht unterstützen.

Mit radikal meinte ich lediglich, dass es einige Kulturen gibt, die ihren Glauben um jeden Preis in jedem
Land durchsetzen wollen. Die Christen waren da die schlimmsten (Stichwort Kreuzzüge), aber auch
aktuell sind z.B. die Muslime wieder sehr radikal mit Forderungen (Stichwort Minarette bauen).
Das meinte ich damit.
Ich würde auch nie auf die Idee kommen und eine christliche Kirche in einem muslimischen Land bauen
wollen.


Das, was auf vielen Seiten leider weiterhin fehlt, ist die Akzeptanz.


Genau DAS ist das Problem!
Anstatt dass man einen Schritt aufeinander zugeht, entfernt man sich wieder voneinander. Ziel sollte es nicht
sein, den Muslimen unseren Lebenstil vorzuschreiben, sondern diesen ihnen näher zu bringen. Ein Verbot schürt
aber nur wieder Hass, weil die symbolische "Wir wollen sowas nicht!"-Geste quasi eine Kampfansage an radikale
Muslime ist. Und moderate Muslime, die den feindlichen Islam-Unterton in der Debatte mitbekommen, werden somit
auch nur einen Schritt weiter an den radikalen Rand gedrängt.
Wenn man jemanden nicht akzeptiert, und sei er noch so moderat, wird das immer zu Radikalisierung führen.
Da gibts in der Geschichte tausende Beispiele.
Ich finde es ehrlich gesagt traurig, dass die Menschheit immer noch so lernresistent ist und immer noch meint,
Feuer lasse sich mit Feuer bekämpfen.

Eigentlich hätte ich von der Politik mehr Weitblick erhofft.
Eine Partei die Integration voranbringen will UND gleichzeitig ein Burka-Verbot fordert widerspricht sich quasi selbst.
Radikalisierung ahoi und in 10 Jahren wird weiterhin NUR der Islam schuld sein, weil wir einfach zu blöd sind zu
erkennen, dass genau unsere Politik zu dieser Radikalisierung beigetragen hat.

Balki

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5

Mittwoch, 5. Mai 2010, 11:12

Das Problem sind in erster Linie Hardliner/Fundamentalisten und nicht Symbole einer Religion.
Es ist dann doch so, dass z.b. das Christentum in der westlichen Welt, wegen Modernisierung viel seiner "Macht/Einflusses" verloren hat. (sieht man anhand vieler Beispiele: Kirchenaustritte, durchschnittliche Kirchengeher, etc)
Es hat sich doch ein "Freiheitsideal" bei der Bevölkerung gebildet, (jetzt mal einige regionale Ausnahmen ausgenommen, bzw letzte Bastionen des christlichen Fundamentalismus ignorierend, das sind jedoch oft nur Kleinkirchen und Minigemeinden).
Religion wird als Wahl gesehen, als persönliche Entscheidung für das eigene Leben gemäß "mach was du willst" oder konkreter "Meinungs und Glaubensfreiheit".
Kirchen sind halt alte Bauwerke die halt da sind und da stehen, sie locken Touristen an bzw stören halt nicht, leichter zum ignorieren als zu "bekämpfen".

Diese Loslösung von der Religion findet sich nahezu in allen politischen Kreisen und Richtungen, da aber durch globale Migration der Anteil von Menschen islamischer Herkunft in der westlichen Welt (vorallem aber bestimmten EU Staaten) immer mehr zu nimmt, kommt man in ein Dilemma.
Im Gegensatz zum Christentum, hat der Islam noch immer viel "Macht" in seinen Ursprungsgebieten und die Bevölkerung ist generell gläubiger im Vergleich zu den Christen im Westen (ob dies gut oder schlecht ist, kann ihc nicht wirklich sagen, dass muss jeder für sich selbst entscheiden).
Was aber dazu führt, dass eben Fundamentalisten/Hardliner viel EInfluss haben, oder wir müssen garnicht so weit raufgehen. Es reicht oft einfach nur ein strenggläubiges Familienoberhaupt und der Druck und Zwang ist dann oft doch stärker/härter und die Gläubigen ungewillter sich dagegen aufzulehnen (im Vergleich zum Christentum. Und wieder, nicht wertend gemeint, einfach nur beschreibend so wie ich das mitbekomme).

Was zur mehr oder weniger selben Reaktion in allen politischen Lagern führt:
aus der rechten Ecke kommt dann oft sowas wie "wir brauchen keine fremde Religion im eigenen Land" (schöne Doppelmoral übrigens), wobei die Betonung mehr auf "fremd" und "eigen" liegt, als auf Religion. Dass diese Argumentation kompletter Schwachsinn ist, sollte jedem klar sein, und auch ein Bild geben über die typische Wählerschaft.
Die Nachfolger der verschiedenen christlichsozialen Parteien, sind dann oft doch skeptisch, drücken sich aber politisch korrekt aus.
und von links kommen dann meist Argumente in die Richtung "Einschränkung der Freiheit, Unterdrückung der Frauen, blinder religiöser Wahn, etc"

Das ist es dann, was ich denke, was der Grund für solche umstrittenen Gesetze.
Man hat keine wirkliche Möglichkeit gegen Hardliner vorzugehen und man kann schongarnicht eine komplett andere Religion beinflussen/ändern.
Also muss man ihr so viele Steine wie möglich in den Weg legen, bis man Möglichkeiten findet gegen eben jene vorzugehen.

Ich kenne viele Muslime, einige etwas strenggläubiger, andere lascher, aber von vielen höre ich oft, dass in den ganzen "politischen Vertretungen" (keine Ahnung wie die genau heißen und muss gleich zur Uni, sonst würd ich googlen), meistens Hardliner sitzen, die noch immer im Jahr 1500 leben (nach westlicher Zeitrechnung).
Denn ich höre oft, und das ist auch meine persönliche Meinung, dass der Islam in seiner "offiziellen", vorallem im ursprungsraum, vorkommenden Form veraltet und hängengeblieben ist.
Selbst die Religion ist dem Zeitgeist unterworfen und muss sich an die Bedürfnisse der Menschen anpassen und in diesem Aspekt ist das allgemeine Christentum erfolgreicher als der Islam.

Das Problem bei solchen Diskussionen ist, dass man immer wieder herausheben muss, dass man verallgemeinert/wo man verallgemeinert, bzw Ausnahmen bearbeiten, was aber oft vom Platz/Zeit nicht ausreicht.
Auf beiden Seiten finden sich gute Gegenbeispiele.
Ich kenne Christen die wenn sie mich sehen, mich am liebsten in ein enges Zimmer mit einer Bibel sperren würden und mich erst rauslassen, wenn ich sie auswendig abschreiben kann, gleichzeitig kenn ich Muslime die um einiges offener und toleranter sind als ich selbst.

Was die Islamdebatte angeht, ist es dann oft dieser Teil der unter den Verallgemeinerungen leidet, der einfach in einen Topf gesteckt wird mit anderen.
Denn die gesammte politische Diskussion, hat nichts mit dem einzelnen Gläubigen zu tun, sondern nur mit der allgemeinen "Macht".
Europa will modern bleiben, modern und stark von der Religion getrennt (was Regional unterschiedlich ist, aber das ist wieder so eine Verallgemeinerung, die wenn man sie anführt Platz wegnimmt und wenn nicht, offene Stellen übriglässt wo man gegenargumentieren kann) und da wird jede nur erdenkliche Ausrede benützt, damit es so bleibt.
Sei es jetzt unter dem Vorwand von abendländisch,christlicher Kultur (wobei hier wieder eine schöne Doppelmoral, wenn man sich näher historisch damit befasst), unter einem rechtem fremdenfeindlichem Schema, zur Befreiung der armen Frau aus den Klauen des Islam, etc
Die Gründe/Argumente sind unterschiedlich, aber oft lässt sich als gemeinsamer Nenner herausfiltern, dass man die sekularisierte Gesellschaft erhalten will.

Wobei das war bisher, nur mehr oder weniger meine Analsye vom politischen Geschehen (inklusive Fehlern, Fehlschlüssen, Unwissen, etc).

Meine persönliche Meinung zu dem Thema, werd ich nur kurz anführen.
Ich vertrete dann doch den Ansatz der Integration ohne Assimilation.
Wenn ich in ein fremdes Land, einen fremden Staat gehe und dort leben will, werde ich genügend mitnehmen um meine Persönlichkeit ausleben zu können, aber mich auch den dortigen Regeln und Gebräuchen anpassen und die "extremeren" bzw für das Land "unangenehmen" Teile, in der Heimat lassen, wo ich dann hin und wieder hingehe, wenn ihc es brauche.

Wie Reiji gesagt hat, man würde auch keine Kirche im arabischen Raum bauen, und wenn dann geht es oft schlecht aus (wie oft wurde ein Imam im "westen" umgebracht und wie oft ein Priester im "Osten", Stichwort Situation der christlichen Minderheit in der Türkei, da gibt es oft Zwischenfälle, die nur zu gern unter den Tisch gekehrt werden).

mfG Balki

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