Sie sind nicht angemeldet.

1

Freitag, 6. April 2007, 04:09

Rinoa und Artemisia (Spoiler!)

Rinoa und Artemisia, Kernaspekt von AT.

Die Charaktere, so wie man sie aus FF8 kennt, sind aus Perspektive von AT die Extrempunkte einer Entwicklung, die sich vollziehen kann.

Beide Charaktere treten in AT aber nur kurz bzw. angedeutet so auf, wie man sie aus FF8 kennt: Rinoa in dem Kurzauftritt am Anfang (siehe Balkon-SV) und Artemisia in dem Titelbild von Episode 4, sozusagen als drohende Vollendung der Entwicklung.

Während des Fanfics aber ist Rinoa im Vgl. zu FF8 verändert. Sie ist kühler und geht mehr in Richtung Artemisia.

Und auch Artemisia, wie sie in Kap.36 beschrieben wird, ist nicht die, die wir aus FF8 kennen. Sie trägt ein schwarzes Kleid und hat mehr Ähnlichkeit zu Rinoa, wie man auch in der SV sehen wird und auf dem Charakter-Wallpaper auf der Website jetzt schon sehen kann ( U p d a t e ! ).

Mich würde jetzt interessieren, welche Absichten hinter den Änderungen stecken, insbesondere bei Artemisia. Warum begegnen Squall und Rinoa in Kap.36 nicht der Artemisia, die wir aus FF8 kennen?

Außerdem: Wie hat man sich Artemisia in ihrem Auftritt in Kap.32 vorzustellen? Wie die FF8-Artemisia, oder so wie in Kap.36? Schließlich ist sie hier ja nicht die machtbesessene Artemisia, sondern die Situation ist sehr traurig, so dass man mit ihr mitfühlen kann.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »VisionCatcher« (6. April 2007, 04:40)


MfLuder

Gaukler

  • »MfLuder« ist männlich

Wohnort: Berlin, Deutschland

Beruf: 2.Regieassistent

  • Nachricht senden

2

Montag, 9. April 2007, 21:44

Nun, wie wir Artemisia zeigen, hatte diverse Gründe. Zum ersten Mal lag das an dem Konzept:
In FF8 ging es ums Frisch Verliebt sein, bzw. um Liebe in ihrem Urknallmoment. Die Liebe zwischen Rinoa und Squall ist keine oberflächliche Beziehung, ala "Ich bin der Held, du die Heldin, lass uns küssen!", sondern ist von Anfang an sehr problematisch.
Beide sind total unterschiedlich, beide haben ein Problem: Vedrängte Traumata. Rinoa ist eine Hexe, Squall emotional verstümmelt durch Elliones Weggang.
Beide tauen auf und machen eine große Veränderung durch, stellen sich ihrer Vergangenheit und ihren Ängsten.
Gut und Böse ist in FF8 trotzdem klar getrennt. Dennoch vermischen sich bereits im Laufe des Spiels die Grenzen. Aus einer quasi anonymen Hexe wird die Mutter der Helden, fremde Leute entpuppen sich als Brüder und in Squall und Cifer finden sich mehr Gemeinsamkeiten, als einem lieb ist. Und Rinoa selbst erscheint als Hexe.
Alles wird in FF8 auf das Thema Liebe zurückgeführt. Aus den einzelnen Elementen im Raum wird eine Familie, zusammengehalten durch das Schicksal.

In AT entwickelten wir das weiter. Gab es in FF8 viele Spannungen zwischen Rinoa und Squall, gibt es am Anfang von AT praktisch keine, was nicht nur merkwürdig, sondern auch höchst fatal ist. Rinoa trägt mehr Ängste in sich, als ihr lieb ist und erzählt es niemandem.
Es ist natürlich ein Grund, dass zwischen beiden Teilen fünf Jahre liegen. Das Gefühl des Verliebtsein flacht langsam ab, die Welt ist befriedet... und das alles mit 17.
Und doch bleibt was. Am Schluss von FF8 blieb das Böse (offiziell) anonym, man hatte einen Namen nicht mehr. Und doch gab es Verbindungen zwischen diversen Figuren, die noch nicht aufgedeckt, doch angedeutet waren. Mit 17 kennt man noch nicht alles, man weiß noch nicht viel. Die Geschehen, die die Figuren das erkennen lässt, was noch offen ist, liegen eben in der Zukunft.
Und dennoch gab es in Squalls Albtraum viele Andeutungen.

Also, die Kapitel 1 Rinoa ist letztlich eine Fortführung der FF8 Rinoa, die im Laufe des Spiels ihre alte Art sehr verliert und eher gegen Ende ängstlich und schutzbedürftig, aber absolut mitfühlend wirkt.
Dort setzt der erste Traum an, mit Angst, mit Empfindsamkeit. Rinoa weiß was. Man sieht es ihr noch nicht an, sie hält ihre wahren Gefühle noch hinterm Berg... und verschwindet.

Die Rinoa ab Kapitel 8 führt den Trend fort. Aus dem Mädchen ist eine kühlere Person geworden, eine tödliche Kriegerin, eine Hexe (sehr wie Prokylta. Sie führen sogar das gleiche Schwert. Hyne, Prokylta, Rinoa, 3 Generationen, ein Konflikt, verschiedene Lösungen).

Das Böse allgemein kommt so wieder, wie es FF8 verlassen hat. Eine Hexe taucht wieder auf und schwingt hochtrabende Reden, doch diesesmal ist sofort ein persönlicher Kontakt da. Dieser intensiviert sich.

In Episode 2, wenn die Figuren (vor allem die Bösen) vertieft werden, wenn die Guten immer weniger gut und die Bösen auch mehr gut sind, sprich: wenn alle zu Menschen werden, da haben wir bei Rinoa immer Wert drauf gelegt, dass sie verschlossener, angreifbarer und deswegen aggressiver wird.
In vielerlei Hinsicht ist die Rinoa aus Episode 2 die schwächste von allen. Sie läuft davon, ist teilweise wahnsinnig und würde sehr viel für ihre Angst opfern.
Uns war am Ende von Episode 2 klar, dass dies interessant ist, aber so jemand eben keine Artemisia ist, genauso wenig wie Anakin Skywalker aus Episode 2 Darth Vader ist. Erst in Episode 3 hat er genug Macht, um dazu zu werden.
So auch bei Rinoa, die sich nun in der Suche nach ihrem Kind (sie ist nun Mutter) immer mehr wandelt und reifer wird. Rinoa in Episode 3 ist auch viel menschlicher, sie war hier auch Squalls Opfer.
In der Mitte hat sie ihren ersten Ausbruch als Artemisia. Gut und Böse verwischt hier endgültig, alles gerät etwas aus den Fugen. Das die Welt das Innenleben der Figuren widerspiegelt, ist ein alter FF8 Trick (zusammen mit dem Abheben des Gardens und dem Umstellen der Konventionen, beginnt Squall langsam über sich nachzudenken).

Am Ende von Episode 3 treffen wir nun Artemisia zum zweiten Mal wieder. Sie tauchte einmal kurz in Episode 2 im Shumi Dorf auf. Dort war es jedoch mehr eine Angstvision, ich wollte den FF8 unkundigen sie kurz vorstellen, wie sie gewesen ist, wie sie immer noch da ist, trotz ihres Todes.
Nun sehen wir sie jedoch wieder und in einer neuen Rolle. Hier sollte sich (zusammen mit 32) endgültig der Kreis zwischen Rinoa und Artemisia schließen. Sowie Rinoa langsam Artemisias Züge annahm, so sollte diese Artemisia Rinoas Züge annehmen. Die Szene schließt also thematisch an das Ende von Artemisia aus FF8 an, ihrem großen Schlussmonolog während des Kampfes. Der war schon sehr traurig und ich wollte das wieder aufgreifen.
Squall begreift ihre wahre Identität durch einen Kuss. Ich wollte, dass er das so emotional begreift. Nicht erfährt, wie ein Wissen, sondern wirklich fühlt.
Das er natürlich durch einen Kuss wieder zurückgeholt wird, hat natürlich auch eine Bewandnis.

In 33 wird der storymäßige Kreis geschlossen, außerdem setzen wir uns mehr mit Hyne auseinander.
In 36 treffen wir erneut auf Artemisia. Shadow merkte in den Vordiskussionen an, dass er in der Szene gerne Artemisia erlöst sehen würde. Ich fand das jedoch nicht, denn wir sehen hier eine spezielle Artemisia. Im Grunde genommen sind sie am Ende in der Angst, die wir am Anfang gesehen haben. Dort war Rinoa isoliert, "allein", es war ihr Problem, nun ist es ihr gemeinsames Problem, sie stellen sich "gemeinsam" der Angst.
Zeitspalten sind verdrängte Erinnerungen, tote, nutzlose Zeiten. Und diese Artemisia ist die reinste und finsterste von allen, das pure Böse, nicht mehr tragisch, sondern nur noch vernichtend. Und diesen Weg geht sie in der Szene bis zum Ende. Sie lässt sich vernichten. Sie ist das Nichts und nimmt am Ende dessen Form an, sie verbrennt im blauen Feuer.

3

Dienstag, 10. April 2007, 04:24

Während die FF8-Artemisia die Vernichtung also nur gegen andere wandte und sich selbst noch hinter einer Maske aus Schminke und Haarschmuck versteckte, ist die Kap.36-Artmemisia also sich ihrer selbst voll bewusst und auch in ihrer Finsternis so konsequent, den Weg der Vernichtung zu gehen.

In FF8 sucht sie quasi noch andere als Opfer, sucht Sündenböcke für ihr Unglück und leugnet, wer sie ist, oder vielmehr, sie hat es vergessen und übt blinde Gewalt gegen andere aus. Die Zeitkompression wäre somit ein radikales Instrument, um das Glück in Person Squalls wiederzuerlangen, denn, wenn alles komprimiert wird, so wird sicherlich auch er/das Glück in diesem allen enthalten sein, mit dem sie verschmilzt. So kann sie in Unkenntnis dessen, wer/was ihr das Glück darstellt, das Glück auch finden. Sie sucht quasi nach dem Glück, doch weiß nicht, was/wer es ist und giert verzweifelt nach allem, in der Hoffnung, das Glück sei darin enthalten.

Ihr Aussehen in FF8 rührt damit aus dem Vergessen ihrer Identität, während sie in Kap.36 wirklich noch sie selbst ist. Dort gibt sie sich selbst bewusst in aller Konsequenz auf, bzw. als Personifizierung des Nichts geht sie ihren Weg, nämlich ins Nichts.

Und der Weg von Rinoa zu dieser Artemisia ist der Weg einer Liebe, die sich nicht in wechselseitigem Austausch so stärkte, dass sie die Bedrohungen, die ihr entgegenstanden, überwinden konnte. In der Isolation wird sie leer, zu Trauer, zu Vernichtung, zu Nichts.

Artemisia ist somit Personifizierung nicht nur des Nichts, sondern auch der Sinnlosigkeit eines Lebens. Der Versuch, Rinoa zu sich zu machen, kann somit als letzter angeborener Wille zum Überleben gesehen werden, der der Sinnlosigkeit noch trotzt. Doch in der Sinnlosigkeit scheitert auch dieser.

Rinoa dagegen schafft es sich aus dieser schicksalhaften Bestimmung zu lösen und in der Gestaltung der Beziehung mit Squall wieder Sinn zu erlangen, aus dem sie neue, positive Kraft beziehen kann.

MfLuder

Gaukler

  • »MfLuder« ist männlich

Wohnort: Berlin, Deutschland

Beruf: 2.Regieassistent

  • Nachricht senden

4

Dienstag, 10. April 2007, 10:18

Im Prinzip kann man es so ausdrücken, wobei Artemisia in FF8 nicht unbedingt gewaltätig ist, sie macht das ja vermutlich alles, um dem Vergehen zu trotzen, um Squall wieder zu haben.

Alphega gibt in Kapitel 35 in der Zitadelle eine interessante Anregung. Ist die Zeitkompression nicht letztlich die Suche nach sich selbst, die Suche nach dem Ursprung?

5

Dienstag, 10. April 2007, 18:51

Das fremde Aussehen von Artemisia in FF8 ist somit Ausdruck dessen, dass sie sich selbst sucht, und da sie sich selbst in Kap.36 kennt, sieht Artemisia also auch wie Artemisia aus und nicht entfremdet, wie in FF8. Und Artemisia hat nun mal eine Ähnlichkeit mit Rinoa.

Da merkt man wieder mal, dass AT doch viel mehr ist, als eine bloße Erklärung dafür, dass Artemisia doch deshalb Rinoa sei, weil es im Spiel ein paar Indizien gibt.

MfLuder

Gaukler

  • »MfLuder« ist männlich

Wohnort: Berlin, Deutschland

Beruf: 2.Regieassistent

  • Nachricht senden

6

Dienstag, 10. April 2007, 22:13

Hm, ja, wobei ich denke, dass ihr verfremdetes Aussehen einfach dessen geschuldet ist, dass man sie nicht erkennen sollte in FF8.
Bei uns soll man sie erkennen. Das Böse ist nicht mehr eine anonyme Gefahr aus der Zukunft, sondern eben Rinoa.
Darum gings mir primär.

Bookmark and Share
AT-Button 3